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Bild: Jelena-stock.adobe.com
| Aus der Region

Wenn das Leben Abschied nimmt


Seit einigen Jahren führt Gerd Bartl-Brunthaler aus Gröbming ein Bestattungsunternehmen. Mit viel Feingefühl und souveräner Professionalität begleiten er, seine Frau Martina und das gesamte Team der Bestattung Bartl Trauerfamilien in ihrer schwersten Zeit.

 Ein Sterbefall in der Familie ist eine absolute Ausnahmesituation, auf die man selten vorbereitet ist. Jeder Mensch trauert anders. Viele geben sich ihren Emotionen hin, manche werden aufbrausend, andere sind zutiefst traurig, wieder andere lassen sich überhaupt nichts anmerken. Wenn die Bestatter zum Erstgespräch ins Trauerhaus kommen, gilt es, mit Fingerspitzengefühl auf alle Familienmitglieder einzugehen. Viele Entscheidungen sind zu treffen, nicht immer sind sich alle darüber einig und es gilt, eine gemeinschaftliche Lösung zu finden.

„Professionelle Nähe zu den Hinterbliebenen aufzubauen ist ebenso wichtig, wie professionelle Distanz.“
Gerd und Martina Bartl-Brunthaler
„Das Begräbnis ist der letzte irdische Akt und wir möchten das Feierlichste und Würdevollste schaffen, was in unserer Macht steht“, ist für Gerd und Martina klar. Hilfreich ist, wenn vom Verstorbenen bereits zu Lebzeiten entschieden wurde, wie er bestattet werden möchte. Damit nimmt man den Angehörigen eine große Last von den Schultern.
Dabei handelt es sich jedoch um einen sehr geringen Anteil, die meisten Menschen möchten sich nicht mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen. Manchmal werden Verstorbene zu Hause aufgebahrt, meist auf Bauernhöfen oder im (geschlossenen) heimischen Hotel. Meist wird dieser Akt jedoch in die örtliche Aufbahrungshalle oder -kapelle verlegt, manche Angehörige verzichten auch ganz darauf. Etwa 80 % finden ihr Ende in einer Feuerbestattung, für den Rest endet der Weg in einer Erdbestattung, die jedoch wesentlich mehr kostet.

Unverzichtbar im Trauerprozess

In den Räumlichkeiten der Bestattung bekommen Familie und enge Freunde im kleinen Rahmen die Möglichkeit, sich von ihrem verstorbenen Menschen am offenen Sarg zu verabschieden. „Wenn es machbar ist, sogar nach einem Unfall oder Suizid, ermöglichen wir diese Art der Verabschiedung. Oft haben Angehörige Vorstellungen und Schreckensbilder im Kopf und es hilft ihnen ungemein, den Verstorbenen noch einmal zu sehen“, wissen Gerd und Martina aus Erfahrung. Auch Kindern sollte man diesen wichtigen Schritt im Trauerprozess nicht verwehren, wenn sie es möchten.
Während des Sterbeprozesses und kurz nach dem Herzstillstand schüttet der Körper „Glückshormone“ wie Endorphine und Serotonin aus, weshalb man auf den Gesichtern von Verstorbenen einen wunderbar friedlichen Gesichtsausdruck, oft sogar ein Lächeln, erkennen kann.

Outfit für die letzte Reise

Die Verstorbenen werden gewaschen, desinfiziert, viele möchten fesch angezogen werden mit Dirndl oder Steireranzug, andere sagen, die Oma hatte am liebsten ihren Schlafanzug an und wir möchten sie darin bestatten. Auch die schriftliche Anweisung einer Dame „ich bin nackt gekommen, ich möchte auch nackt wieder gehen“ kam schon vor und wurde erfüllt. Ebenso der Wunsch, die Brille aufzubehalten („Sonst sehe ich ja nichts, wenn ich oben beim Herrgott ankomme“) oder eine verstorbene Dame kräftig zu schminken, weil sie dies zu Lebzeiten auch so gerne gemacht hatte. Ein Herr hatte immer in einem Schlafsack sein Mittagsschläfchen gehalten, auf Wunsch der Angehörigen wurde er darin bestattet.
Grabbeigaben sind oft der Ehering, Kreuze, Halsketten, Briefe, Zeichnungen oder Kuscheltiere. Möchte man nicht, dass diese Dinge mit eingeäschert werden (so mancher Schmuck würde bei 1.200 Grad verdampfen und schließlich in der Filteranlage des Krematoriums landen), kann man sie auch später in die Urne legen.

Aberglaube oder Brauchtum?

Im oberen Ennstal gilt: Man soll keine Fotos von noch lebenden Menschen oder Tieren in den Sarg legen, auch nicht auf die Parte oder am Sterbebild.
Auch gibt es hier noch die Tradition des „Kirchensagers“, der die Parte an ausgewählte Personen verteilt. Laut Überlieferung muss man ihm etwas anbieten, „sonst bringt er dir den Tod ins Haus“. Eine große Herausforderung, denn: Was wird angeboten, was geht am schnellsten? Ein Schnapserl! „Wenn du für 30 Haushalte zuständig bist und nur bei jedem zweiten einen Schnaps trinkst, reicht es auch schon. Wenn du aber 15 Kaffee oder 15 Bier trinkst, bist du auch erledigt!“, meint Gerd lachend.

Als einziger Bestatter im oberen Ennstal ist das Team der Bestattung Bartl GmbH 24/7 einsatzbereit.

Keine Kleinigkeit

Von den Kosten her beginnt ein Begräbnis bei fünf- bis zehntausend Euro, nach oben hin offen. Abhängig von Erd- oder Feuerbestattung, Größe und Beschaffenheit des Grabsteins, Anzahl der Gäste beim Totenmahl, Blumenschmuck, Musik, Kirche sowie den Leistungen der Bestattung. Gerade ältere Menschen haben oft ein Sparbuch dafür angelegt, auch gibt es Anspar-Versicherungen. Der Brauch des Kondolierens, bei dem man den Angehörigen Beileid aussprechen und eine Geldspende geben kann, ist für viele Betroffene nicht nur eine mentale, sondern auch finanzielle Unterstützung. Die Anteilnahme anderer ist ein großer Trost und wichtige Hilfe bei der Trauerbewältigung.

Gerd scheint seine Berufung jedenfalls gefunden zu haben: „Wir sehen oft, wie etwas mit Schmerz und Leid zu Ende geht. Ich hoffe und wünsche es jedem Verstorbenen, mit dem letzten Atemzug seinen Frieden zu finden. Ich bin überzeugt davon, dass uns danach etwas Wunderbares erwartet.“ 

 

Was genau macht der Bestatter?
◦ Erstkontakt nach Feststellung des Todes
◦ Abholung des Verstorbenen (daheim, im Krankenhaus oder im Pflegeheim)
◦ Totenbeschau gemeinsam mit dem zuständigen Arzt - bei Suizid, Unfall oder Verdacht auf Fremdverschulden im Beisein der Polizei
◦ Aufnahmegespräch mit der Familie
◦ Waschen und Bekleiden des Leichnams
◦ Vorstellungen des Verstorbenen (Bestattungsanordnung) oder der Angehörigen
◦ Sämtliche Datenerhebungen und Behördenverfahren
◦ Vorbereitung des Totenscheins
◦ Organisation des Begräbnisses, auf Wunsch Gestaltung der Verabschiedungsfeier

Text und Fotos: Mona Dorrer