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Neurobiologe Bernd Hufnagl, Monika und Hannes Müller vom Genießerhotel „Die Forelle" am Weißensee, Christina Rami-Mark von MARK Metallwarenfabrik sowie Stefan Gyger, Hotelier aus Rohrmoos, brachten unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aus Forschung, Wirtschaft und Tourismus ein. (Foto: Martin Huber)
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„Wandel ist längst da“


Mit diesem Motto hat der Tourismusverband Schladming-Dachstein beim 11. Tourismusdialog den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir merken es an der Tankstelle, wenn wir mit einer künstlichen Intelligenz telefonieren oder wenn wir den Blick hinauf zum Dachsteingletscher richten. Ja, der Wandel ist längst da – und zwar in einer bisher ungekannten Geschwindigkeit.

Warum verunsichert uns Veränderung? Und weshalb halten wir so gern an dem Vertrauten fest? Diesen Fragen widmete sich der 11. Schladming-Dachstein Tourismusdialog. Dabei ging es nicht um ferne Zukunftsszenarien, sondern um die Gegenwart. Um neue Technologien, veränderte Erwartungen und Arbeitswelten, die sich neu sortieren. Und um eine Gesellschaft, die sich mitten im Umbruch befindet – ob sie will oder nicht. Rund 300 Menschen aus Tourismus und Wirtschaft kamen am 6. Oktober im Congress Schladming zusammen und wollten sich Denkanstöße mitnehmen, andere Perspektiven kennenlernen und darüber nachdenken, wie sich der Wandel nicht bloß aushalten, sondern aktiv gestalten lässt. 

Unser Gehirn liebt das Vertraute

Der Abend begann mit einer spannenden Keynote, die unter die Schädeldecke ging. Der Neurobiologe und Bestsellerautor Bernd Hufnagl eröffnete den Tourismusdialog mit seinem Vortrag „Future Brain – Wie unser Gehirn die Herausforderungen des Wandels meistert“. Hufnagl hat Biologie und Medizin studiert und war mehr als ein Jahrzehnt in der Hirnforschung tätig. Seine Botschaft: Unser Gehirn ist kein großer Freund der Überraschung. Es liebt Vertrautes, spart gerne Energie und schlägt Alarm, wenn die Dinge unsicher werden. Risiken erscheinen dann oft größer als mögliche Chancen. Während draußen die Welt neue Wege einschlägt, würde unser Gehirn manchmal lieber die alte Route nehmen. Einfach, weil wir sie kennen. Das ist menschlich. Aber nicht immer hilfreich. „Gerade in unsicheren Zeiten neigen wir dazu, Risiken zu überschätzen und in alten Denkmustern zu verharren. Veränderung braucht deshalb ein klares Motiv, Gelassenheit und Mut. Wenn Überzeugung spürbar wird, kann Wandel auch andere positiv anstecken“, so Hufnagl.

Raus aus der Komfortzone

Wie sich dieser Anspruch im Arbeits- und Unternehmensalltag anfühlt, zeigte der anschließende Reality Check. Auf dem Podium trafen unterschiedliche Branchen, Generationen und Erfahrungen aufeinander. Dabei wurde deutlich: Den einen richtigen Weg durch den Wandel gibt es nicht. Veränderung bedeutet Unsicherheit, verlangt den Abschied von Gewohntem und bringt gelegentlich auch das Scheitern mit sich.
Für Unternehmen und Führungskräfte ist das eine anspruchsvolle Mischung. Wo Orientierung fehlt, gedeihen Jammerkultur und Erfolgsdruck gleichermaßen. Die einen klammern sich an das Bewährte, die anderen wollen alles sofort anders machen. Und manche warten lieber ab, bis sich der Sturm gelegt hat – was angesichts des Tempos unserer Zeit eine ziemlich lange Wartezeit werden könnte.

SD Postkarte TD2026 vorneKarte: TV Schladming-Dachstein

Narrenkastl schauen

Neurobiologe Hufnagl plädiert für etwas, das verdächtig nach Faulheit klingt, aber durchaus produktiv sein kann: Narrenkastl schauen. Einfach einmal aus dem Fenster blicken, den Gedanken freien Lauf lassen und für ein paar Minuten nichts erledigen müssen. Solche Mikropausen von zwei bis fünf Minuten, mehrmals täglich und möglichst ohne Handy oder andere Ablenkungen, geben dem Gehirn Gelegenheit, Abstand vom Arbeitsmodus zu gewinnen. Wenn wir nicht pausenlos Informationen verarbeiten, können neue Gedanken entstehen und festgefahrene Sichtweisen aufbrechen.