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| Aus der Region

Wo Kühe sich wohlfühlen


Bei Wanderungen durch die Landschaft des steirischen Ennstals begegnen uns oft weidende Rinder – ein vertrautes Bild, das zur Region gehört. Doch hinter diesem idyllischen Anblick steckt mehr: Weidegang und ein artgemäßes Stallsystem sind wichtige Voraussetzungen für das Wohlbefinden der Rinder.

Obwohl Rinder schon seit Jahrtausenden in der Obhut des Menschen gehalten werden, haben sie sich noch immer das Verhaltensrepertoire ihrer Vorfahren, der Auerochsen, erhalten. Um Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten, muss sich ein Stallsystem deshalb neben Aspekten der Wirtschaftlichkeit und Arbeitswirtschaft an den natürlichen Verhaltensweisen der Tiere orientieren. Am Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein werden dazu wissenschaftliche Erkenntnisse für die landwirtschaftliche Praxis erarbeitet.

Bewegungsmöglichkeit drinnen und draußen

Foto LaufstallRinder sind Weidetiere und legen in der Natur täglich mehrere Kilometer zurück. Regelmäßige Bewegung im Auslauf und auf der Weide beansprucht und trainiert Bewegungsapparat, Herz, Kreislauf und Atmung und stärkt die körpereigene Abwehr. Wie ethologische Untersuchungen belegen, haben die Tiere dort auch mehr Raum, um ihre natürlichen Verhaltensweisen zu zeigen.

Aber auch im Stall ist es wichtig, genügend Platz für Bewegung und Sozialkontakt zu schaffen. Breite Laufgänge, rutschfeste Böden und gut erreichbare Fress- und Tränkeplätze tragen dazu bei, dass sich die Tiere ungehindert bewegen können. Zusätzlich zu einem artgemäßen Haltungssystem sind eine gute Mensch-Tier-Beziehung und eine sorgsame Tierbetreuung ein wesentlicher Faktor für das Tierwohl.

Ein Platz zum Ausruhen

Neben der Bewegung spielt auch die Erholung eine wichtige Rolle: Rinder liegen täglich etwa 10 bis 14 Stunden. Eine weiche, trockene und ausreichend große Liegefläche entlastet Gelenke und Klauen und schafft die Basis für entspanntes Ruhen und Wiederkauen. Eine erwachsene Kuh benötigt je nach Haltungsform etwa 6 m² Stallfläche. In artgemäßen Haltungssystemen werden beispielsweise weiche Liegeboxen mit viel Stroheinstreu angeboten.

Frische Luft und frisches Wasser

Frische Luft und ausreichend Wasser sind entscheidend für das Wohlbefinden der Rinder. Äußerst wichtig sind Tränken mit einer ausreichend großen, freien Wasseroberfläche und ausreichend schnellem Wassernachlauf, denn Milchkühe benötigen bis zu 180 l Wasser pro Tag. Gut gelüftete Außenklimaställe und gedämmte Dächer sorgen für ein angenehmes Stallklima. Rinder kommen mit trockener Kälte besser zurecht als mit Hitze. Wichtig sind dabei eine trockene, gut gedämmte und windgeschützte Liegefläche sowie ausreichend Futter.

Artgemäße Rinderhaltung braucht wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage und engagierte Landwirtinnen und Landwirte, die diese in die Praxis umsetzen. Auch Konsumentinnen und Konsumenten können einen Beitrag leisten, indem sie beim Einkauf bewusst auf die Herkunft der Lebensmittel und die Haltungsbedingungen der Tiere achten. 

 

Text und Fotos: Dr. Elfriede Ofner-Schröck, HBLFA Raumberg-Gumpenstein