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Billige Importe: Wer zahlt den Preis?


Vergünstigte Lebensmittel-Importe durch das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay? Klingt für viele Menschen wie ein wahrgewordener Traum – schließlich wird seit Monaten medial darüber diskutiert, dass Lebensmittel zu teuer seien.

Hannes Royer, Land schafft LebenHannes Royer vom Verein
Land schafft Leben
Anderen bereitet das Abkommen allerdings eher schlaflose Nächte. Denn eine Frage darf man dabei nicht vergessen: Was würde passieren, wenn wir in Österreich eines Tages kaum noch selbst produzieren, sondern unser Essen überwiegend aus dem Ausland importieren würden? Bisher können wir uns in Österreich mit vielen Lebensmitteln zu einem großen Teil selbst versorgen. Aber nicht nur das: Unsere Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften unsere Kulturlandschaft, zum Beispiel Almen, die sowohl im Sommer als auch im Winter der Grund sind, warum jährlich zehntausende von Menschen ihren Urlaub in Österreich verbringen.

Ungleiche Spielregeln

Das EU-Mercosur-Abkommen wird nicht der Grund sein, warum plötzlich alle Bauernhöfe in Österreich zusperren. Aber es könnte eine Entwicklung beschleunigen, die wir längst kennen: Preisdruck aus dem Ausland. Wir öffnen den Markt immer weiter für Produkte aus dem Ausland, obwohl wir uns in Österreich mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen können. Rindfleisch etwa wird unter hohen Tierwohlstandards produziert, der CO2-Fußabdruck ist der geringste in der EU. Im Ackerbau gelten strenge Pflanzenschutzauflagen, so auch bei der Zuckerrübenproduktion. Und generell sind die Grundgehälter für Arbeitskräfte hierzulande vergleichsweise hoch. Diese Qualität könnten wir stolz präsentieren – stattdessen verschwindet sie häufig in der Anonymität. Wollen wir tatenlos dabei zuschauen, wie unsere hochwertigen Lebensmittel mit Importware vermischt werden, die unter völlig anderen Rahmenbedingungen hergestellt wird?

Transparenz auf der Speisekarte

Aus den Medien ging hervor, dass Rewe, Spar, Lidl und Hofer trotz des Handelsabkommens kein südamerikanisches Frischfleisch in ihr Sortiment aufnehmen werden. Selbst wenn: Bei verpacktem Frischfleisch im Supermarkt ist immerhin die Herkunft ersichtlich. Das argentinische Steak wird uns eher in der Gastronomie begegnen – und zwar meist anonym. Bewusst regional essen gehen? Eher schwierig. Unzählige Male habe ich in Restaurants schon nach der Herkunft eines Lebensmittels gefragt – oft konnte mir keine genaue Auskunft gegeben werden, teilweise wurde ich sogar belogen. Das muss sich ändern. Transparenz ist ein Werkzeug für Fairness – sowohl für die heimische Landwirtschaft, die sich in einem Wettbewerb mit ungleichen Spielregeln behaupten muss, als auch für die Konsumentinnen und Konsumenten, die selbstständig und bewusst Konsumentscheidungen treffen wollen. Jede Speisekarte ist ein Einkaufszettel. Und jeder Einkauf entscheidet über unsere Zukunft. Eine verpflichtende, durchgängige Herkunftskennzeichnung auf jeder Speisekarte ist keine nette Spielerei, sondern ein wichtiges Werkzeug, das wir uns endlich zunutze machen sollten.

Kommentar von Hannes Royer, Bio-Bergbauer aus Schladming und Gründer des Vereins Land schafft Leben
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