Die Stimme der steirischen Schülerinnen und Schüler
Schule ist weit mehr als ein Ort zum Lernen – sie prägt junge Menschen und damit auch die Gesellschaft von morgen. Genau hier setzt die Landesschülervertretung an. Das Jugendvolksbegehren „GUT, und selbst?“ hat es bis in den Nationalrat geschafft. Maßgeblich war die Schülerunion auch an der Einführung des neuen Pflichtfachs "Medienkunde und Demokratiebildung" beteiligt. Die stellvertretende Landesschulsprecherin, Irma Fejzić, im Gespräch mit dem LBN-Magazin.
Politik interessiert Irma Fejzić grundsätzlich. Vielleicht liegt das auch ein wenig in der Familie: Sie stammt aus Bosnien, ihr Onkel war dort Bürgermeister, und auch in Österreich engagieren sich mehrere Familienmitglieder in unterschiedlichen Parteien. „Das ist manchmal ganz lustig“, erzählt sie. Bei politischen Diskussionen am Familientisch hält sie sich allerdings meistens raus. Ihr eigenes Interesse richtet sich weniger auf Parteipolitik als auf das, was sie unmittelbar betrifft: Schulpolitik und die Interessen junger Menschen. Irma Fejzić besucht die fünfjährige BAfEP in Liezen und engagiert sich bereits in der ersten Klasse im Schulgemeinschaftsausschuss (SGA). Irma tritt der Schülerunion bei, der größten unabhängigen Schülerorganisation Österreichs mit rund 30.000 Mitgliedern. Schließlich reift in ihr der Entschluss, selbst als Schulsprecherin zu kandidieren. Besonders Themen wie mentale Gesundheit und Demokratiebildung beschäftigen sie. Das Jugendvolksbegehren „GUT, und selbst?“ hat es bis in den Nationalrat geschafft und gezeigt, wie wichtig dieses Thema für Jugendliche ist. Die „Demokratiebildung“ hat es sogar ins Regierungsprogramm geschafft und wird ab diesem Schuljahr flächendeckend als eigenes Fach unterrichtet: „Medienkunde und Demokratiebildung“. Start ist in der Oberstufe. Für Irma ist das ein wichtiger Schritt, um jungen Menschen demokratische Werte zu vermitteln und sie frühzeitig mit den Grundlagen unserer Demokratie vertraut zu machen.

Irma Fejzić von der BAfEP Liezen ist Mitglied bei der Schülerunion
und stellvertretende Landesschulsprecherin.
LBN: Du bist mittlerweile stellvertretende BMHS-Landesschulsprecherin. Was bedeutet es eigentlich, die Interessen der steirischen Schüler auf Landesebene zu vertreten?
Irma Fejzić: Man bekommt einen sehr breiten Einblick, weil die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern je nach Schulform, Region oder persönlicher Situation sehr unterschiedlich sein können. Unsere Aufgabe ist es, diese unterschiedlichen Stimmen zusammenzubringen und ihre Anliegen gegenüber der Bildungsdirektion und der Politik zu vertreten.
Welche Themen beschäftigen die Schülerschaft derzeit besonders und wo siehst du aktuell den größten Handlungsbedarf?
Ich glaube, ein großes Thema ist die Chancengerechtigkeit. Schülerinnen und Schüler starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ins Schulleben und brauchen deshalb auch unterschiedliche Unterstützung. Schule sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern junge Menschen möglichst gut auf das Leben vorbereiten – etwa durch Finanzbildung oder eine bessere Berufs- und Studienorientierung. Gerade an berufsbildenden Schulen gibt es außerdem viele Kosten, die von den Schülerinnen und Schülern selbst getragen werden müssen und für die es keine ausreichende Förderung gibt. Ich merke das auch an meiner eigenen Schule: Allein für Materialien und die Anfahrtskosten zu meinem Praktikum in der BAfEP kommen bei mir rund 150 Euro im Monat zusammen. Für Familien, bei denen das Geld ohnehin knapp ist, kann das zu einem echten Problem werden. Gleichzeitig haben wir in der Schule kaum Finanzbildung. Dabei wäre es gerade für junge Menschen wichtig zu wissen, wie man mit Geld umgeht und welche Kosten im Alltag auf einen zukommen. Für mich gehört deshalb zur Chancengerechtigkeit auch, dass nicht das Einkommen der Eltern darüber entscheidet, welche Möglichkeiten Jugendliche in ihrer Ausbildung haben.
Gerade zwischen Stadt und ländlichen Regionen gibt es Unterschiede im Bildungsangebot. Welche Herausforderungen erleben Schülerinnen und Schüler außerhalb von Graz?
Eine große Herausforderung ist die Mobilität. Außerhalb der Stadt sind viele auf Bus und Bahn angewiesen, doch die Verbindungen sind oft nicht auf Schulzeiten abgestimmt. Im ländlichen Raum braucht es eine bessere Infrastruktur, sinnvolle öffentliche Anbindungen und einen leichteren Zugang zu Förder- und Bildungsangeboten. Gerade spätere Zugverbindungen oder fehlende Nightlines können für Jugendliche zum Problem werden.
Wie kann Schule besser unterstützen, wenn mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Bildungssystem gestartet wird?
Förderbedarf muss früh erkannt werden, damit man auch rechtzeitig darauf reagieren kann. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mittlere Reife: Am Ende der Sekundarstufe I werden die grundlegenden Kompetenzen überprüft. Wird dabei Förderbedarf festgestellt, kann gezielt Unterstützung angeboten werden. Genau das verstehe ich unter Chancengerechtigkeit: nicht alle bekommen dasselbe, sondern jede und jeder bekommt die Unterstützung, die gebraucht wird. Dieses Anliegen habe ich auch im Nationalrat vorgebracht.
Interview: Christian König I Fotos: Felix Platzer