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Fotos: Gemeinde Mitterberg-Sankt Martin
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Friedrich Zefferer: Der Bürgermeister der Gemeinde Mitterberg-Sankt Martin im Interview


20 Ortsteile, 2.020 Einwohner, viel Landschaft – und keine Schulden. Mitterberg-Sankt Martin ist eine kleine Gemeinde, die mit einer bemerkenswerten Besonderheit aufhorchen lässt: Sie ist die einzige Gemeinde der Steiermark, die gänzlich ohne Schulden auskommt.

Entstanden ist die heutige Gemeinde 2015 durch die Fusion von Mitterberg und Sankt Martin. Das Bürgermeisteramt blieb damals in den Händen von Friedrich Zefferer, bis dahin Bürgermeister von Mitterberg. Der 68-jährige SPÖ-Politiker zählt gemeinsam mit Bernhard Moser aus Landl zu den längstdienenden Bürgermeistern des Bezirks Liezen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gestaltet Zefferer die Geschicke der Gemeinde – und das nach eigener Aussage noch immer mit großer Leidenschaft.

Wir trafen den Bürgermeister im Gemeindeamt am Mitterberg zum Gespräch.

Bürgermeister ZeffererLBN: Herr Zefferer, Sie sind gefühlt eine halbe Ewigkeit in der Regionalpolitik. Wann hat Ihre politische Karriere begonnen?
Zefferer: Das war im Jahr 2000, also vor 26 Jahren. Bis 2005 war ich Gemeindekassier, danach wurde ich zum Bürgermeister der Gemeinde Mitterberg gewählt. Zuerst wollte ich nicht in die Politik, aber 2000 hatte mich die SPÖ-Fraktion überredet, doch für den Gemeinderat zu kandidieren. Beruflich war ich anfangs bei der Polizei in Salzburg, musste aber 1980 nach einem schweren Verkehrsunfall meinen Job als Polizist aufgeben. Anschließend war ich Vorsteher der Geschäftsstelle im Bezirksgericht Irdning, später als Revisor beim Landesgericht Leoben und die letzten zwölf Jahre am Bezirksgericht Schladming tätig. Jetzt bin ich seit 4 Jahren in Pension.

Ihre Gemeinde sticht, auch bundesweit gesehen, mit einer Besonderheit hervor: Sie hat keinerlei Schulden. Wie schafft man das in Zeiten, in denen viele Kommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen?
Als ich Gemeindekassier und später Bürgermeister war, war Karl-Heinz Grasser Finanzminister. Damals wurde propagiert, größere Investitionen – etwa Schulbauten – in eigene Gesellschaften auszulagern. Damit schienen im offiziellen Gemeindebudget nur die Rückzahlungsraten auf, nicht aber die gesamten Verbindlichkeiten. Gegenüber der EU konnten die Schulden der Gemeinden dadurch niedriger dargestellt werden, als sie tatsächlich waren.
GemeindeamtDiese Form der Ausgliederung gibt es bis heute – auf Landes- und Bundesebene. Ich habe damals als junger Bürgermeister einen Zeitungsartikel geschrieben und gesagt: Das klingt zwar wunderbar, ist aber nicht zu Ende gedacht. Denn die Schulden müssen langfristig trotzdem zurückgezahlt werden. Damals habe ich für mich den Entschluss gefasst: Ich nehme kein Darlehen auf. Und das ist mir bis heute gelungen. Wir haben nicht einmal unser Gemeindekonto überzogen.

Wenn Sie das schaffen – warum funktioniert das nicht auch bei anderen Gemeinden?
Wir budgetieren sehr konsequent für das jeweilige Jahr. Und mir ist es geradezu heilig, diese Zahlen einzuhalten. Wir haben ein Budget von rund vier Millionen Euro und investieren jährlich zwischen 700.000 und einer Million Euro in Projekte. Neben dieser Budgetdisziplin nutzen wir für größere Vorhaben gezielt Förderschienen und Bedarfszuweisungen. So konnten wir etwa die Rüsthäuser neu bauen und das Schwimmbad sowie den Kindergarten in Sankt Martin umbauen. Der Kindergartenumbau hat exakt 604.000 Euro gekostet, der Gemeindeanteil lag bei lediglich 67.000 Euro.
Investitionen von mehr als einer Million Euro teilen wir, wenn möglich, auf zwei Jahre auf und bilden sie auch entsprechend im Budget ab. Dazu kommt eine sehr schlanke Verwaltung: Wir haben 3,25 Bedienstete und zwei Mitarbeiter im Bauhof.
Auch unsere Gemeindeeinrichtungen werden energieautark betrieben – und das nicht erst seit der Energiekrise. Trotzdem muss man ehrlich sagen: Wir kommen derzeit noch ganz gut über die Runden, aber es wird zunehmend enger.
Ich möchte allerdings ausdrücklich festhalten: Wir wollen nicht als „Musterschüler“ dargestellt werden. Viele Gemeinden haben Schulden, die nicht hausgemacht sind, sondern durch außergewöhnliche Ereignisse entstehen – etwa durch Unwetterkatastrophen. Dann sind Investitionen notwendig, die vorher schlicht nicht planbar waren.

Die Kommunalsteuer bringt etwa 300.000 Euro im Jahr, also rund 150 Euro pro Einwohner. Das ist beispielsweise im Vergleich zu Altenmarkt bei St. Gallen, wo es rund 1.650 Euro pro Einwohner sind, relativ wenig. Sind Sie trotzdem mit der
wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden?
Wir sind eine bäuerlich geprägte und touristische Gemeinde mit rund 60.000 Nächtigungen pro Jahr. Wir können selbst nur wenige Arbeitsplätze anbieten. Deshalb versuchen wir, gemeinsam mit anderen Gemeinden gewerbliche und kleinindustrielle Arbeitsplätze zu schaffen – etwa über das neue Gewerbegebiet in Gröbming.

Das geplante Pumpspeicherwerk am Kraftwerk Salza liegt auf Ihrem Gemeindegebiet. Nach dem Projektstopp des Pumpspeicherwerks auf der Koralm: Fürchten Sie ein ähnliches Schicksal für das Projekt an der Salza?
Nein, diese Angst habe ich nicht. Bei der Koralm war es aus meiner Sicht ein politisches und behördliches Versagen. Unser Projekt ist voll im Gange, derzeit laufen die Probebohrungen.
Es gibt bereits eine UVP-Vorprüfung. Damit besteht die Möglichkeit, sich bei den zuständigen Stellen und Sachverständigen entsprechend zu informieren. Ich rechne mit einer Planungsphase von etwa zwei Jahren.
Der Verbund geht hier mit viel Gespür vor und bindet die Beteiligten ein. Wir begrüßen das Projekt, weil es kurz- und langfristig Arbeitsplätze sichern kann. Außerdem möchte der Verbund im Bereich der Salza in die Infrastruktur investieren.
Geplant ist unter anderem eine neue Zufahrt zum Kraftwerk und zum Wasserfall. Damit könnten die Anrainer der derzeitigen Zufahrt entlastet werden. Der Wasserfall wird mittlerweile von bis zu 300 Besuchern pro Tag frequentiert.

Salza Stausee

Vom Ortskern St. Martin führt ein Weg zum idyllisch gelegenen Salza Wasserfall. Regionale Outdooragenturen bieten
auch geführte Canyoning-Touren mit Sprüngen ins kühle Nass und Abseilen durch den Wasserfall. (Foto: Erich Hagspiel)

 

Wie soll Mitterberg-Sankt Martin in zehn Jahren aussehen? Und wollen Sie dann noch Bürgermeister sein?
Nein, das sicher nicht! (lacht)
In Zukunft wird die Raumplanung für uns eine zentrale Rolle spielen. Mitterberg war bereits Vorbehaltsgemeinde, Sankt Martin bisher nicht. In Lengdorf wollte man beispielsweise ein Projekt mit 30 Zweitwohnsitzen errichten. Damit hätten wir auf einen Schlag ungefähr gleich viele Zweitwohnsitzler wie Einwohner gehabt. Das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Zweitwohnsitze. Aber wir wollen Ferienwohnsitzgebiete moderat und mit Augenmaß ausweisen. Deshalb haben wir nun auch Sankt Martin als Vorbehaltsfläche beschlossen.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen langsam und gesund wachsen – nicht möglichst schnell.

Was sind die nächsten größeren Projekte?
Die Planung für den Umbau der Kreuzung in Espang war ursprünglich für 2026/27 angedacht, wurde jetzt aber vorerst um ein Jahr verschoben. Dort soll eine Überführung über die Bahn entstehen, die heutige Kreuzung würde damit wegfallen. Ein realistischer Zeithorizont für die Fertigstellung ist 2030/31.
Ansonsten wünsche ich mir vor allem eines: Dass die Wohnqualität in Mitterberg-Sankt Martin so bleibt, wie sie ist. Und ich habe sogar das Gefühl, dass die Jugend wieder stärker in die Region zurückkehren möchte. Das wäre für mich ein sehr gutes Zeichen. ◻

Interview: Hartwig Strobl
Fotos: Gemeinde Mitterberg-Sankt Martin, Erich Hagspiel