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Foto: HBLFA Raumberg-Gumpenstein
| Aus der Region

Almen brauchen Tiere – sonst verschwindet unsere Kulturlandschaft


Wenn im Sommer tausende Menschen die Almen im Bezirk Liezen besuchen, genießen sie eine Landschaft, die zu den schönsten Aushängeschildern unserer Region zählt. Weite Weideflächen, blühende Almwiesen und freie Ausblicke vermitteln Ruhe und Naturverbundenheit. Was dabei oft übersehen wird: Diese Landschaft ist nicht einfach „Natur“, sondern das Ergebnis harter Arbeit vieler Generationen von Almbäuerinnen und Almbauern.

 Immer häufiger werden Rinder auf Almen jedoch als Risiko oder Störfaktor wahrgenommen. Nach einzelnen Zwischenfällen wird rasch die Frage gestellt, ob Tiere überhaupt noch auf beliebten Wanderalmen gehalten werden sollen. Gleichzeitig kommt es immer wieder vor, dass Weidetiere bedrängt, gefüttert oder durch freilaufende Hunde beunruhigt werden. Dabei wird leicht vergessen: Die Tiere sind nicht Gäste auf der Alm – sie gehören dorthin.

Tatsächlich sind es gerade die Weidetiere, die den Charakter unserer Almen erhalten. Würden Rinder, Schafe oder Ziegen von den Flächen verschwinden, würden viele Almen innerhalb weniger Jahre verbuschen. Sträucher und Bäume würden offene Weideflächen zurückerobern, wertvolle Almwiesen gingen verloren und mit ihnen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Biodiversität würde also leiden! Auch das typische Landschaftsbild, das Einheimische und Gäste gleichermaßen schätzen, würde sich grundlegend verändern.

Von bewirtschafteten Almen profitiert aber weit mehr als nur die Landwirtschaft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Boden und Wasser, bieten Raum für Erholung und schaffen die Grundlage für regionale Lebensmittel. Darüber hinaus sichern sie Einkommen und Arbeitsplätze in Berggebieten. Die Almbewirtschaftung benötigt viel Wissen und eine funktionierende bäuerliche Landwirtschaft im Tal – und dies gilt es abzusichern. Achten Sie daher beim Einkauf und beim Besuch von Gaststätten auf heimische Lebensmittel!

Gerade in Zeiten des Klimawandels gewinnen Almen zusätzlich an Bedeutung. Sie stellen wichtige Futterreserven für die Landwirtschaft dar und bieten gleichzeitig Rückzugsräume für Mensch und Natur. Ihr Erhalt ist daher nicht nur eine Frage der Tradition, sondern auch eine Investition in die Zukunft unserer Bergregionen.

Wer Almen nutzen möchte, muss auch ihre Bewirtschaftung respektieren. Dazu gehört, ausreichend Abstand zu Weidetieren zu halten, Hunde zu Hause zu lassen (oder unter Kontrolle zu führen) und die Alm als Arbeits- und Lebensraum anzuerkennen. Nur wenn Landwirtschaft und Erholung respektvoll miteinander umgehen, kann das gelingen, was sich die meisten Menschen wünschen: lebendige Almen mit offenen Weideflächen, hoher Artenvielfalt und einem unverwechselbaren Landschaftsbild.
Die Rechnung ist einfach: Ohne Tiere keine Almwirtschaft – und ohne Almwirtschaft keine Almen, wie wir sie heute kennen.

Text: Andreas Steinwidder, HBLFA Raumberg-Gumpenstein

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