Reden rettet Leben
Das Thema Suizid hat im Bezirk Liezen eine bedrückende Präsenz:
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Psychologin Brigitte Felfer von der GO-ON Suizidprävention im Gespräch. (Foto: KK)tatistisch gesehen nimmt sich hier alle drei Wochen ein Mensch das Leben. Deshalb darf Suizid kein Tabuthema sein. Brigitte Felfer, Psychologin bei GO-ON Suizidprävention Steiermark, erklärt, warum Zuhören Leben retten kann, welche Risikofaktoren besonders relevant sind und wie Prävention gelingen kann.
Durch ihre Arbeit bei der Krebshilfe wurde Brigitte Felfer mit dem Thema Suizid konfrontiert. Dass sie erlebte, dass durch Zuhören und Gespräche solche Gedanken, selbst bei Menschen am Lebensende oder in extrem belastenden Situationen, wieder gehen können, prägt ihre Arbeit und ihr Engagement für Suizidprävention bis heute. Auslöser für suizidale Krisen sind meist Lebensveränderungen, psychische Erkrankungen wie Depressionen aber auch Suchtprobleme. Warnsignale können ein Zurückziehen der Person, deutliche Wesensveränderungen oder Aussagen wie „Es wäre besser, wenn es mich nicht mehr gäbe“ sein. Auch massive Stimmungsschwankungen oder erhöhter Alkoholkonsum sollten ernst genommen werden.
Suizid ist meist alt und männlich
Statistisch nehmen sich deutlich mehr Männer als Frauen das Leben – auf einen Frauensuizid kommen etwa fünf Männersuizide. Besonders betroffen sind Männer über 75 Jahre. Trennungen, Einsamkeit, Krankheit oder der Verlust von Autonomie spielen dabei eine große Rolle. Männer sprechen oft weniger über ihre Probleme, sind stärker vom Bild des „funktionierenden, erfolgreichen Mannes“ geprägt und verfügen im Alter häufig über weniger stabile soziale Netzwerke. Bei Jugendlichen wiederum können Liebeskummer, Verlusterfahrungen oder Mobbing heftige Krisen auslösen. Meist ist Suizid jedoch nicht auf einen einzelnen Grund zurückzuführen, sondern entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Belastungen. Auffällig ist zudem, dass die Suizidraten in Städten deutlich niedriger sind. Hilfsangebote können dort leichter anonym in Anspruch genommen werden. Je ländlicher und abgelegener eine Region ist und je stärker traditionelle Strukturen vorherrschen, desto höher sind die Suizidraten.
Hinschauen, ansprechen, zuhören
Der Bezirk Liezen stellt besondere Herausforderungen dar: große Distanzen, schwer erreichbare Angebote und die Angst, in kleinen Gemeinden erkannt zu werden. Zudem ist die psychologische Versorgung generell ausbaufähig, da Krankenkassen kaum Leistungen übernehmen. Umso wichtiger sind niederschwellige Angebote und eine offene Gesprächskultur. Gemeinschaft stärken, aufmerksam bleiben, Veränderungen wahrnehmen und im Gespräch bleiben: Wenn Sie das Gefühl haben, dass es einem Menschen in Ihrer Umgebung schlecht geht, vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Sprechen Sie die Person direkt an, hören Sie wertfrei zu und nehmen Sie sich Zeit. Offene Gespräche über Suizidgedanken wirken entlastend. Sie bringen niemanden „erst auf die Idee“, sondern können Leben retten. Sie müssen keine Lösungen liefern. Allein da zu sein, zuzuhören und gegebenenfalls professionelle Hilfe zu vermitteln, ist oft der wichtigste Schritt, denn reden rettet Leben. ◻
Alle Hilfsangebote zum Thema finden Sie auf https://suizidpraevention-stmk.at