Wer Schönheit teilt, hat doppelt Freude
Der Burgherr der Burg Strechau und das dort ansässige Künstlerkollektiv folgen einem einfachen Leitgedanken: Kunst und Kultur sollen nicht hinter verschlossenen Türen entstehen, sondern im Austausch mit den Menschen. Die Begegnung mit Besucherinnen und Besuchern ist ein zentraler Bestandteil beim Entstehungsprozess von Werken des Kollektivs.
Wolfgang Boesch und seine Familie führen die Burg mit großer Offenheit. „Eine Burg muss leben, dann lebt sie weiter“, sagen der Burgherr und seine Frau Marianne Boesch-Leibrecht. Damit ist nicht nur die bauliche Substanz gemeint, sondern vor allem die Nutzung als lebendiger Ort. Seit 2006 wurde die Burg Schritt für Schritt für die Öffentlichkeit geöffnet – mit Führungen, Advent- und Ostermärkten sowie Hochzeiten. Ergänzt wird dieses Angebot durch wechselnde Ausstellungen, die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern innerhalb der historischen Mauern eine Plattform geben. Eine besondere museale Rarität bildet die vollständig erhaltene Sammlung der zwischen 1920 und 1941 gebauten Steyr-Automobile, die auf der Burg präsentiert wird.

Marlene Schaumberger, inspiriert von Brauchtum, Tierwelt und der rauen Schönheit
der Berglandschaft, Acryl auf Leinwand
Alte Steine, neue Ideen
Im Jahr 2025 kam es auf Initiative der Künstlerin Edeltrude Arleitner zu einer vertieften Zusammenarbeit im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Die Eigentümer entschieden sich für eine offene Kooperation um neue kreative Impulse auf die Burg zu holen.
Dominik Jäger: „Das Malen ist eine Art Zufluchtsort“, Öl auf Leinwand
Eine erste Ausstellung wurde realisiert, woraufhin mehrere beteiligte Künstler das „KünstlerKollektiv Burg Strechau“ aus der Taufe hoben. Zusammen verfolgt man das Ziel, Kunst und Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Durch Ausstellungen, Veranstaltungen und gemeinsame Projekte soll ein aktiver Austausch mit der Bevölkerung entstehen, der unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen miteinander verbindet. Beim Rundgang durch die Burg begegnet man einer Vielzahl an Werken, die in den historischen Räumen eine starke Wirkung entfalten. Dazu zählen Schwarz-Weiß-Fotografien von Leonhard Gregor Kofler ebenso wie Skulpturen von Edeltrude Arleitner, Gemälde von Gerhard Auer, Dominik Jäger, Hans-Georg Jochmann, Silvia Treitler, Ulrich Wallner und Marlene Schaumberger sowie experimentelle Hinterglasmalerei von Hermi Ganser und Arbeiten von Anna Maria Körbisch in Aquarell und Tusche. Ein besonderes Angebot sind die monatlichen offenen Ateliertage: Jeden ersten Mittwoch können Besucher in der Vorburg den Künstlern beim Schaffen über die Schulter schauen. So wird der Besuch der Burg selbst Teil des künstlerischen Geschehens. Wer kommt, ist nicht nur Betrachter, sondern Teil eines offenen Prozesses, in dem Geschichte, Gegenwart und Kunst miteinander in Verbindung treten.

Ziel des Kollektivs ist es, Kunst als lebendigen Dialog zu begreifen. Besucher können dem Schaffen der Künstler
jeden ersten Mittwoch im Monat in der Vorburg direkt begegnen.
Text: Christian König | Fotos: Künstlerkollektiv, Ettlmayr