Mut im Schatten des Krieges
Eine wahre Begebenheit.
Funken rasten über die Dächer von Pürgg. Und als die ersten Brandglocken ertönten, wusste jeder im Dorf, dass die Hilfe diesmal nicht von den Männern kommen konnte. Denn diese befanden sich längst im Krieg. Stattdessen öffneten sich in der Wiege der Steiermark als auch in den umliegenden Nachbardörfern Unterburg und Untergrimming Türen, aus denen Frauen traten – mit fest zusammengebundenen Haaren und gut justierten Helmen. Mit Eimern, Schaufeln sowie einer riesigen Portion Mut und Entschlossenheit.
Das heutige Kreutzer-Haus unmittelbar nach dem Brand. Ohne den raschen Einsatz der Frauen, hätte der Brand für den Ort tragisch enden können.Der „Ohnewald-Stall“ (heute Kreutzer) hatte Feuer gefangen. Jedem Menschen im Dorf war bewusst, was es zu bedeuten hatte, wenn der Brand nicht unverzüglich gelöscht werden würde. Und so musste mit allen möglichen Mitteln sofort gehandelt werden. Im Pürgger Rüsthaus, das 1936 gebaut wurde, befand sich die Pumpe, die sich als „Neuanschaffung“ sehr zeitnah als unabkömmliche Investition darstellte. Auf einem Ochsenschlitten befestigt, zogen zwei Pferde den Karren zum Brandort, von wo mit Eifer und vielen helfenden Händen dem Ausbreiten des Feuers mit allen Mitteln entgegengewirkt wurde. Die Frauen der Feuerwehr waren in diesen Stunden gefordert, von der Brandeinschätzung bis hin zu einem reibungslosen Ablauf ihr erlerntes Wissen in einem äußerst heiklen Ernstfall sachgemäß und in Windeseile anzuwenden.
Was sonst harte Männerarbeit war, wurde stundenlang von den einheimischen Frauen übernommen. Das intensive und durchgängige Bedienen der Pumpe war eine echte Herausforderung und so wurden die letzten „Reserven“ an menschlicher Tatkraft ausgeschöpft. Im Pfarrhof beherbergte man französische Gefangene. Sie waren der letzte Ausweg, um ein Gelingen dieser doch sehr komplexen Aufgabe sicherzustellen. So war der Einsatzbereich, der den Männern zugeteilt wurde, recht klar. Mit Eifer und voller Energie bedienten sie die Handpumpe Takt für Takt. Eine schweißtreibende, kräftezehrende Angelegenheit, angesichts der ohnehin widrigen Umstände dieser schwierigen Zeiten. Die Frauen kümmerten sich mit schweren Rohren und Schläuchen aktiv um das gezielte Löschen des Feuers. Sie schleppten Eimer um Eimer des kostbaren Wassers zur Pumpe und direkt zur Brandstelle und dämmten mit jedem Schwall das Ausbreiten des Feuers ein. Ein einziges Ziel verband die grundverschiedenen Interessen in diesen herausfordernden Stunden: das Löschen des Brandes vom „Ohnewald-Stall“. Bis zum letzten Tropfen leerten die fleißigen Hände das Bassin (Löschteich) und alle Brunnen. Hätte es noch weitergebrannt, wäre man ab diesem Zeitpunkt mittellos gewesen.
Noch heute kann man bei genauerem Blick auf die Gebäudemauern des alten Kreutzer Hauses ein Stück Geschichte erkennen. Spuren des Brandereignisses zeichnen sich dort ab. Überlieferungen zufolge entstand der Brand durch das falsche Lagern von Asche im oberen Stock des Hauses.
Entstehung der Frauen-Feuerwehr Pürgg
Damen-Feuerwehrgruppe UntergrimmingVor Beginn des Krieges war Feuerwehrhauptmann Leo Krenn in Pürgg zuständig für alle Anliegen rund um das Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. 1927 leistete sich die Gemeinde die erste Motorspritze um 3.800 Schilling. 1932 wurde dann das Wasserbassin im Pürgger Park vergrößert. Mit dem Beginn des Krieges stand auch für den eifrigen Pürgger Einwohner eine Einberufung ins Haus. Leider kam Leo als Invalide von diesem Einsatz retour. Während der Krieg noch weiterhin tobte und nach und nach den Männern Gesundheit oder im schrecklichsten Falle, das Leben kostete, machte sich der Feuerwehrhauptmann das Schulen der Frauen für den Ernstfall zur Aufgabe.
Auch in den Nachbargemeinden Untergrimming und Unterburg sahen sich die Frauen des Dorfes mit der Übernahme von Männerangelegenheiten konfrontiert. So entstand zum Beispiel auch hier während der Kriegsjahre die Damen-Feuerwehrgruppe Untergrimming. Bäckermeister Stenitzer übernahm hier die Aufgabe, das gesammelte Feuerwehr-Wissen an die Damen weiterzugeben. ◻
Text: Petra Schuster, Fotos: Archiv FF Pürgg