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LBN-Collage – Fotos König
| Menschen

Vom Bauernbub zum Paradehotelier


„Irgendwann kaufe ich das!“ Was 1987 mit einer trotzigen Kampfansage beginnt, wird 21 Jahre später Realität. Am Tag seiner Meisterprüfung will sich der junge Georg Imlauer mit einer Übernachtung im Salzburger Hotel Pitter belohnen. Doch das traditionsreiche Grandhotel gegenüber von Schloss Mirabell weist den jungen Serviermeister ab: Das sei nicht seine Kategorie. Imlauer lässt sich davon nicht aufhalten. 2008 kauft er das Haus und schreibt damit seine eigene Erfolgsgeschichte. 2021 übernimmt der erfolgreiche Hotelier Schloss Pichlarn in Aigen im Ennstal und investiert seither insgesamt 32 Millionen Euro. Regionale Wertschöpfung: 80 Prozent.

Imlauer Die Kartoffeln müssen aus der Erde, die Kühe gemolken, die Schweine gefüttert werden. Auf dem Pinzgauer Bauernhof, auf dem Georg Imlauer aufwächst, müssen alle mitanpacken. Seinen ausgeprägten Wunsch, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen, führt Imlauer auf seine Herkunft vom Bauernhof zurück: „Ein Bauer ist ja auch ein Unternehmer“, sagt er.
„Einer, der mit Risiko leben muss. Fällt die Ernte schlecht aus, kann es sein, dass im Winter nichts auf dem Tisch steht.“ Diesen Überlebenstrieb habe er am Hof von klein auf mitbekommen. Und noch etwas: das Gespür für Menschen. Georg war das Jüngste von insgesamt neun Kindern, alle schauten auf ihn. Heute, erzählt er lachend, sei es umgekehrt: Jetzt schaue er eben ein bissl auf seine Geschwister. Diese frühen Erfahrungen formten eine Grundeinstellung, die sein Unternehmen bis heute prägt: Wenn es den Mitarbeitern gut geht, geht es auch dem Betrieb gut.

Start in die Selbstständigkeit

1977 beginnt Georg Imlauer eine Koch- und Kellnerlehre. Sein Ziel hat er von Anfang an klar vor Augen: Er will den Meister machen. Nach der Lehre sammelt er Berufserfahrung, unter anderem für knapp ein Jahr im Service auf zwei internationalen Kreuzfahrtschiffen. 1987 legt der Restaurantfachmann den
„Serviermeister“ ab und übernimmt noch im selben Jahr die Direktion des damaligen Stieglbräus und Stiegelkellers in Salzburg. 13 Jahre bleibt er in dieser Funktion und arbeitet sich konsequent nach oben. Am Ende seiner Zeit bei Koller & Koller trägt er als Food-&-Beverage-Direktor die Verantwortung für sämtliche Restaurants der Gruppe. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid wagt Georg Imlauer 1999 den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie gründen die Imlauer Hotels & Restaurants. Von seinem Förderer Josef Koller übernehmen sie den Pachtbetrieb des Stieglbräus samt Stieglkeller. „Ich hatte das Glück, einen Betrieb übernehmen zu können, den ich schon gut kannte“, sagt er rückblickend. Viel Startkapital haben die beiden nicht. Sie kratzen ihre Ersparnisse zusammen: 500.000 Schilling. Das Geld reicht für die Grundausstattung. Doch
Imlauer denkt längst größer. Schon ein Jahr (!) später nimmt er das Haus des ehemaligen Quellekatalogs ins Visier, aus dem das heutige Hotel Imlauer wird. Der Kaufpreis: 20 Millionen Schilling. „Der Verkäufer fragte mich, ob mir klar sei, dass er dafür 20 Millionen Schilling haben wolle. Aber das war mir schon klar“, erzählt Imlauer. Also lädt er die Banken ein und sagt ihnen, dass er 40 Millionen Schilling brauche. Es klappt. Aus 500.000 Schilling Erspartem wird ein Unternehmen, das von Anfang an auf Wachstum setzt. Der Mut ist da und offenbar auch das richtige Gespür für gute Chancen.

Wer wagt, gewinnt

Wer Georg Imlauer zuhört, denkt unweigerlich an DKT, das österreichische Immobilien-Brettspiel. Nur würfelt dieser Hotelier nicht auf gut Glück. Er setzt auf Mut, Risikobereitschaft und den richtigen Riecher. 2005 erwirbt er das Hotel Nestroy mit 90 Zimmern im zweiten Bezirk in Wien. Ein Jahr später kommt das angrenzende Zinshaus hinzu, in dem nach einem umfassenden Umbau 2009 das Hotel Imlauer Wien eröffnet. Dazwischen löst Imlauer 2008 besagten Schwur aus Jugendjahren ein: Er kauft das Salzburger Hotel Pitter, jenes Haus, das ihn einst abgewiesen hatte. Zwischen 2014 und 2018 investiert er rund 25 Millionen Euro in dessen Modernisierung. Der historische Pitterkeller, Salzburgs ältester Bierkeller, wird zum gastronomischen Flaggschiff der Gruppe. Mit der Imlauer Sky Bar & Restaurant setzt er dem Ganzen im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf. 2019 folgt das Hotel am Mirabellplatz, das heute als Imlauer Palais Mirabell firmiert. Dann kommt Corona. Doch wo andere Stillstand sehen, erkennt Imlauer Chancen. Mitten in der Pandemie erwirbt er Schloss Pichlarn. Seit 2021 investiert er dort mehr als 32 Millionen Euro, davon rund 20 Millionen für den neuen Spa-Bereich der gerade im Entstehen ist. Ein möglichst großer Teil der Investitionen bleibt dort, wo er getätigt wird: im Ennstal und seinem wirtschaftlichen Umfeld. 80 Prozent der Aufträge und damit ein Investitionsvolumen in Höhe von 25 Millionen Euro wurden an Betriebe aus der Region vergeben. Auch personell setzt Imlauer auf die Region: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten auf Schloss Pichlarn stammt aus der Umgebung, ebenso die 20 Lehrlinge des Hauses.

Pichlarn auf Spa-Kurs

Pressebild5 Pichlarn c BazzokaIm März 2027 eröffnet auf Schloss Pichlarn ein neues Adults-only-Spa, das sich mit großzügigen Glasflächen zur umliegenden Landschaft und zum imposanten Grimming hin öffnet. Ein spektakulärer Infinity-Pool, ein Klang-Ruhepool sowie Panorama-Saunen, darunter eine Sole-Sauna, stehen künftig auch für Tagesgäste offen. Gemeinsam mit dem bestehenden, familienfreundlichen Wellnessbereich wächst die gesamte Spa-Fläche des Resorts auf rund 8.500 Quadratmeter und setzt damit neue Maßstäbe als Rückzugsort für Erholungssuchende. Auch mit der Neugestaltung der Golfanlage hat sich das Imlauer Hotel Schloss Pichlarn zum Ziel gesetzt, als Leading Golf Course zu den besten Golfplätzen Österreichs zu zählen. Das eigene Landgut ist eine weitere Besonderheit des Hauses. Ein Gewächshaus wird gemeinsam mit der Lebenshilfe Ennstal bewirtschaftet. Dazu kommen ein Obstgarten mit 100 Bäumen, Bienenstöcke, 250 Bio-Freilandhühner und sechs eigene Quellen. Eine Herzensangelegenheit bleibt für Georg Imlauer die Ausbildung von Lehrlingen. Umso mehr würde er sich wünschen, dass wieder mehr von ihnen den Mut aufbringen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Der Unternehmer möchte dazu ermutigen, Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Nach all den Jahren sieht der Gastronom Imlauer die Arbeit mit Gästen immer noch als Privileg. Dass seine Begeisterung für den Beruf ungebrochen ist, bringt er mit einem Satz auf den Punkt: „Weißt, wenn man etwas gern macht, dann ist man auch gut darin.“ 

Fotos: Neumayr, Bazzoka