Unsere Bäuerinnen – mit Herz, Hof und Weitblick: Katharina Maderebner
„Wiast seg’n, wiad liab“ – Katharina Maderebners Lebensmotto klingt so unkompliziert wie sie selbst und trifft ziemlich genau die positive Einstellung der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern plus zweier „Bonus“-Kindern, die schon lange ganz selbstverständlich zum Thalhammerhof in Gersdorf dazugehören.
Kathi ist stolze Bäuerin, sieht sich selbst aber immer mehr als Unternehmerin. Denn was einst mit einem Ausbau begann, um den Hof und damit die Existenz der Familie abzusichern, ist heute ein vielseitiger Bio-Betrieb geworden. Milchviehhaltung und Pferdezucht gehören ebenso dazu wie Vermietung und Urlaub am Bauernhof. Dazu gesellen sich Reitpädagogik und -therapie, Kutschenfahrten und, weil ihr die Ideen wirklich niemals ausgehen, finden am Hof auch Direktvermarkter Platz, die Milch- und Ziegenprodukte herstellen. So ist aus einem Bauernhof über die Jahre ein kleiner Unternehmenskosmos geworden, in dem vieles ineinandergreift und in dessen Mitte Kathi steht.
Die Fremde prägt
Eine Reise, die Spuren hinterlässt:
Kathis Zeit in Kanada prägt ihren
Blick auf das Leben und ihre
Vorstellung vom eigenen Hof. (Fotos: privat)Nach Abschluss einer Koch-Kellner- Lehre arbeitet Kathi in einer Pizzeria in der Schweiz. Dort entschließt sich die Zwanzigjährige dazu, mit einem Kollegen selbst eine Bar zu betreiben. Nach drei Jahren wird ihr jedoch alles zu eng. Ihre damalige Beziehung genauso wie die Verpflichtungen in der Bar. Sie kehrt an den elterlichen Hof zurück, doch Kathi wartet nicht lange, sich auf das nächste Abenteuer einzulassen. Ein halbes Jahr verbringt sie in Kanade, in Orangeville, einem Ort in Ontario, rund 40 Kilometer nordwestlich von Toronto. Dort arbeitet sie auf einer Farm mit rund 150 Jersey-Kühen, hilft im Stall und kümmert sich um die fünf Kinder der Familie. Zum nächsten Nachbarn fährt man schon einmal eine Stunde. Doch diese Weite führt nicht dazu, dass die Menschen weiter auseinanderdriften. Im Gegenteil. Auf der Farm hält jeder mit jedem zusammen. Arbeit, Familie und Alltag gehen ineinander über. Es gibt nicht für alles eine eigene Zuständigkeit und schon gar nicht für jede Kleinigkeit eine komplizierte Regel.
„Die machen es dort einfach nicht so kompliziert“, sagt Kathi. Sie erlebt, wie alle mithelfen und jeder irgendwie dazugehört. Niemand steht daneben und darf nicht mitreden. Jeder packt an, wenn er gebraucht wird. Dieses Miteinander bewirkt in ihr etwas, das sie vorher vielleicht nur gespürt hat. Sie weiß jetzt, dass sie später auch einmal so leben möchte. Nicht unbedingt in Kanada, aber so wie dort. Mit Menschen, die zusammenhalten. Mit Kindern, die einfach dazugehören. Mit Arbeit, die nicht sauber um fünf Uhr endet, sondern Teil des Lebens ist und mit einem Hof, auf dem nicht alles komplizierter gemacht werden muss, als es eigentlich ist.
Neustart mit Vermietung
„Nachdem ich den Hof übernommen habe, ist das Ganze explodiert“, erzählt Kathi. Zu dieser Zeit hat sie bereits ihren Sohn Tobi und möchte Familie und Arbeit miteinander verbinden. Frei gewordene Räumlichkeiten werden zu vier barrierefreien Ferienappartements zwischen 45 und 80 m2 umgebaut. Kathi startet wieder mit „Urlaub am Bauernhof“. „Mit den Feriengästen kommen irgendwann auch die Kinder, die sehen die Pferde und wollen natürlich reiten“, erzählt sie, und dass sie daraufhin die entsprechenden Ausbildungen macht. Dann fragt eine Freundin, ob sie ihr Pferd bei ihr einstellen kann und so entwickelt sich Schritt für Schritt ein eigener Reitbetrieb, später fügen sich Reitpädagogik und Reittherapie hinzu. Heute stehen zwischen 30 und 40 Pferde am Hof, darunter Noriker aus eigener Zucht und zwischen 10 bis 15 Einsteller. Dazu kommen vier Kühe, Hühner, Enten, Katzen, ein Hund, Hasen, Wachteln, Fische und Bienen – Langeweile kommt hier keine auf. Auch die 13 Hektar Grünland und sieben Hektar Wald bewirtschaftet die Familie selbst. Die Waldarbeit übernehmen vor allem Kathis Vater und mittlerweile auch ihr Sohn. Und auch die zwei „Bonus“-Töchter von Kathi bleiben nach und nach immer öfter am Hof – zunächst zum Reiten, irgendwann ganz. Ganz selbstverständlich gehören auch sie schon lange zum Hofleben dazu und packen bei der Arbeit kräftig mit an.

Rückenwind
„Mit 40 dachte ich, ich brauche etwas Neues“, sagt Kathi und muss lachen, wenn sie erzählt, dass sie 2002 eben mal kurz einen neuen Hof gebaut hat, weil ihr der alte zu klein wurde. „Ich verlor immer mehr die Freude an meiner Arbeit und habe mich schon gefragt, ob ich das ein Leben lang durchhalte.“ Bis ihr Bruder sie eines Tages fragt, warum sie nicht einfach ausbaut. Die Idee nimmt Gestalt an: Der alte Hof soll verkauft und außerhalb des Dorfes ein neuer gebaut werden. Kathi sieht darin die einzige Möglichkeit, die Familie wirtschaftlich abzusichern und gleichzeitig weitermachen zu können. Ihre Familie steht hinter ihr, ebenso wie viele Menschen aus der Nachbarschaft. Dieser Rückenwind trägt sie schließlich durch das Monsterprojekt. Als der neue Hof fertig ist, steht für Kathi allerdings fest: „Es muss doch irgendwie möglich sein, den alten Hof auch noch zu erhalten.“ Und so sind für Kathi die zwei Höfe nie bloß nur ein Arbeitsplatz gewesen, sondern bis heute stets ein sinnstiftendes Lebensprojekt.
Fotos: Maderebner privat