Zum Hauptinhalt springen
Akogel Aussicht auf den Ort Gams, die Gesäuseberge und das Steirische Matterhorn, den Lugauer. (Foto: Alexander Maunz)
| Menschen

Bernhard Moser: Der Bürgermeister von Landl im Interview


Ein bisserl versteckt im Osten des Bezirkes Liezen, quer durch das Gesäuse oder über den Buchauer Sattel erreichbar, liegt die Gemeinde Landl. Eine beschauliche, stressbefreite Region, geprägt von der smaragdgrünen Salza, der Enns und den
Gesäusebergen.

Seit Jänner 2002 sitzt der SPÖ-Mann Bernhard Moser in Landl im Bürgermeistersessel. Der 61-Jährige fungiert auch als Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Liezen. „Die operativen Agenden führt aber großteils meine Stellvertreterin Christina Ablaßer“, merkt Moser zu Beginn des Interviews an.

BGM Bernhard MoserBernhard Moser, Bürgermeister von Landl (Foto: Christian Fuernholzer)LBN: Wenn man seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister ist, fühlt man sich da als Ortskaiser?
Bernhard Moser: Nein, absolut nicht, eher wie ein Familienoberhaupt. Die Gefahr sehe ich eher darin zu meinen, für alles verantwortlich zu sein, eine Folge der langjährigen Tätigkeit.

Wie hat sich das Amt in den letzten 20 Jahren verändert?
Es hat sich extrem viel geändert! Wir haben ein Gesamtbudget von 5,5 Millionen Euro, davon kommen ca. 2,5 Millionen aus Ertragsanteilen, der Sozial- und Personalbereich verschlingt 2,8 Millionen. Es geht sich nicht mehr aus, wir sind eine Abgangsgemeinde.

Landl liegt ein wenig weg vom Schuss, das macht‘s ja nicht leichter, oder?
Man muss, speziell in der medizinischen Versorgung, mit anderen Bundesländern zusammenarbeiten.
Waidhofen/Ybbs ist für uns aufgrund der Erreichbarkeit wichtiger als Rottenmann. Auch im Schulbereich ist dies so, Besucher höherer Schulen pendeln alle aus.
Die medizinische Versorgung vor Ort ist ein leidiges Thema. Derzeit haben wir zwei praktische Ärzte, denen wir in Gams und Kirchenlandl Praxen eingerichtet haben. Unser Zahnarzt geht Mitte des Jahres in Pension, hier haben wir, gleich wie St. Gallen, noch keine Lösung. Jungärzte zieht es doch stark in den urbanen Raum, wir sind leider wenig attraktiv.

Landl hat 2.474 Einwohner, Tendenz sinkend.
Wir sind seit der Fusion vor 10 Jahren um 450 Bewohner heruntergerasselt, ein wenig das Spiegelbild von Eisenerz. Die Abwanderung ist nicht das Thema, sondern die negative Bilanz von Sterbefällen zu Geburten. Unser großes Glück sind hingegen viele kleine, meist familiengeführte Betriebe, die seit Jahrzehnten eine ausgezeichnete Arbeit leisten, trotz der exponierten Lage. Als Beispiele seien Berger, Klausbauer, Müllner, Sulzbacher oder Aster genannt.

Beim Autozulieferer ZKW in Wieselburg gehen hunderte Arbeitsplätze verloren. Ein großer Player in dem Segment, die Fa. Georg Fischer hat in Altenmarkt seinen Sitz, also gleich in der Nähe, ist ein der größten Betriebe und Arbeitgeber. Hat man Angst vor Hiobsbotschaften ähnlicher Art?
Man hofft natürlich nicht! Georg Fischer ist ein ganz wichtiger Betrieb, bei dem ca. 50 Bewohner aus Landl arbeiten. Genauso wie jene in St. Gallen wie Steinrieser, Alpen-Maykestag oder vor Ort die Fa. LAC Berger, Spezialist für Industrielackierung. LAC Berger ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde. Die vielen Kleinbetriebe sorgen aber für ein Risikosplitting. Wir haben ständig steigende Kommunalsteuerzahlen, das ist erfreulich. Auch touristisch hat sich vieles erfreulich entwickelt. Vorwiegend in der Beherbergung und Angebotsstruktur in Zusammenhang mit der Salza und dem Naturpark. Hier haben wir einige attraktive und frequenzstarke Anbieter im Outdoorbereich. Probleme haben wir, wie überall, in der Gastronomie. Gesamt haben wir über 58.000 Nächtigungen, für unsere Begriffe und Größenordnung sehr zufriedenstellend.

Fühlen sich die Landler eher dem Gesäuse zugehörig oder als Salzataler?
Wir haben schon einen starken Bezug zum Gesäuse, fühlen uns aber nicht als klassische „Xeisler“ wie etwa die Johnsbacher. Wir haben uns bei der Entstehung des Nationalparks Gesäuse stark engagiert. Die Palfauer wiederum sind keine „Xeisler“, fühlen sich als Salzataler und haben einen starken Bezug zu Göstling, weil halt viele dort auch zur Schule gegangen sind. Die Hieflauer hingegen tendieren eher Richtung Eisenerz.

Landl ist Mitglied der Leaderregion Steirische Eisenstraße und nicht der LAG Liezen-Gesäuse. Warum?
Das ist historisch gewachsen, die Region Eisenwurzen hat es auch früher gegeben. Wir haben in dieser Region in vielen Jahren sehr gute Projekte abgewickelt. Wir sind super behandelt worden, obwohl vieles von Leoben ausgeht.

Thema medizinische Versorgung, wie sieht es damit aus?
Der Notarztstützpunkt in Waidhofen wird geschlossen, das ist ein schwerer Rückschlag. Jetzt bleibt Rottenmann, aber die Entfernung ist ein massiver Nachteil. In puncto Leitspital wird in dieser Periode nichts geschehen und die jungen Ärzte werden nicht warten. Der ganze Prozess hat zu lange gedauert. Hätte man vor der Wahl mit dem Bau begonnen, wäre das alles nicht geschehen. 2017 hat der Landtag den Beschluss gefasst, aber man ist sich teils selbst im Weg gestanden. Wäre der Beschluss schneller umgesetzt worden, stünden wir heute nicht vor dem Dilemma, man hat es versäumt. Jetzt hat man finanziell keinen Handlungsspielraum mehr.

Rafting Landl

Der Raftingsport auf der Salza ist das touristische Zugpferd der Region rund um Landl. (Foto: KK)