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Fotos: Günther Zelzer, Michaela Schweiger
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Werner Haberl: Der Bürgermeister von Gaishorn am See im Interview


Viele kennen Gaishorn am See nur aus dem Autofenster, aus der Perspektive der nahen Autobahn. Doch ein Abstecher in die kleine Gemeinde am östlichen Rand des Bezirks Liezen lohnt sich. Wer von Trieben kommt, passiert zunächst das markante Betriebsareal von Mayr-Melnhof, bevor die ländliche Idylle beginnt – mit den Ortsteilen Au, Gaishorn, Treglwang und schließlich Furth.

Werner Haberl, Bürgermeister von Gaishorn am See (Foto: Michaela Schweiger)Wir haben rund 1.350 Einwohner und sind eine beliebte Wohngemeinde“, sagt Bürgermeister Werner Haberl. Der 52-jährige SPÖ-Politiker und hauptberufliche Fahrdienstleiter steht seit 2015 an der Spitze der Gemeinde – ausgestattet mit einer satten Mehrheit von 87 Prozent. „Das war nicht immer so. Treglwang und Gaishorn waren lange ÖVP-dominiert. Und auch mit absoluter Mehrheit wird die Arbeit nicht unbedingt einfacher“, meint er mit einem Augenzwinkern.

LBN: Wie ist das Verhältnis zwischen Gaishorn und Treglwang?
Werner Haberl: Nach der Fusion war es zunächst schwierig, inzwischen hat sich vieles verbessert. Ein Zwischenfall – die Gaishorner Feuerwehr hat den Treglwanger Maibaum umgeschnitten – hat die Emotionen aber wieder hochgehen lassen. Solche Dinge zeigen: Eine Fusion braucht Zeit, auch auf emotionaler Ebene. Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe, ausgleichend zu wirken. Aktuell haben wir drei Feuerwehren, und in Treglwang steht ein Rüsthausneubau um rund zwei Millionen Euro an. Derzeit können wir uns das noch nicht leisten, aber das Projekt wird kommen – mit etwas Geduld.

Sind Infrastruktur und Freizeitangebote auch hier große Kostentreiber?
Natürlich. Umso mehr freut es mich, dass unser Schwimmbad in Treglwang wieder öffnen kann – wir haben sogar einen Pächter gefunden. Es sah zeitweise so aus, als müssten wir zusperren. Unser Budget liegt bei rund 3,6 Millionen Euro und ist ausgeglichen, aber große Spielräume gibt es nicht. Zum Glück haben wir einige wichtige Betriebe im Ort: Mayr-Melnhof mit rund 270 Beschäftigten, dazu Münzer mit 40 und Cycleenergy mit 20 sowie mehrere kleinere Unternehmen.
Ein zentrales Projekt ist die Erneuerung der Infrastruktur beim Fußballplatz. Die Gebäude sind zwar erst 35 Jahre alt, können aber baulich nicht mehr saniert werden. Der Neubau ist mit rund 1,8 Millionen Euro veranschlagt und soll 2027 umgesetzt werden. Für uns ist der Platz weit mehr als Sportstätte – er ist sozialer Treffpunkt. Rund 70 Kinder spielen im Nachwuchs, das unterstreicht die Bedeutung.

Welche Rolle spielen die umliegenden Gemeinden?
Eine sehr große. Orte wie Trieben, Rottenmann und Liezen bieten wichtige Arbeitsplätze. Eine Ansiedlung von Siemens Mobility in Trieben wäre auch für uns als Wohngemeinde ein Gewinn.

Spüren Sie den finanziellen Druck, von dem viele Bürgermeister berichten?
Aktuell nicht in vollem Ausmaß. Wir arbeiten mit einem vergleichsweise kleinen Team – sechs Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte. Das hilft. In den letzten Jahren haben wir viel umgesetzt: 2020 wurde die Schule um 3,5 Millionen Euro neu gebaut, der Kindergarten verlegt und modernisiert, außerdem wurde neuer Wohnraum geschaffen. Wir investieren kontinuierlich – auch wenn große Sprünge schwierig sind.
Ein Thema, das mir etwas Sorgen bereitet, ist der Glasfaserausbau in Gaishorn. Die Grabungsarbeiten belasten und wurden teils unkoordiniert durchgeführt. In Treglwang sind wir bereits fertig, aber dort wurde einmal um halb zwei Uhr früh asphaltiert – da stand das Telefon nicht still. Trotzdem ist klar: Dieses geförderte Projekt müssen wir umsetzen, auch mit Blick auf kommende Generationen.

Ein Großprojekt ist die Wildbachverbauung.
Ja, in den Ortsteilen Treglwang und Gaishorn. Das Gesamtvolumen beträgt rund 15 Millionen Euro, finanziert größtenteils von Bund und Land. Auch die ÖBB und die Landesstraßenverwaltung sind beteiligt, wir leisten einen Interessentenbeitrag. Die Fertigstellung ist für 2029 geplant.

Welche Zukunft hat der Gaishorner See? Der See, der dem Ort seinen Namen gibt, war in den 1990er-Jahren ein Hoffnungsträger für den Tourismus.
Heute verlandet er zunehmend und erfüllt auch eine wichtige Funktion als Hochwasserrückhaltebecken. Ein Projekt zur Gestaltung einer Badebucht liegt zwar vor, wurde aber vorerst zurückgestellt. Der Verein „Gaishorn – Tourismus Aktiv“ betreibt die Freizeitinfrastruktur rund um den See einschließlich des Campingplatzes. Das ist für uns wichtig, vor allem als Naherholungsgebiet. Tourismus spielt insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. In den letzten Jahrzehnten wurde in Umlandgemeinden mit mehr touristischer Ausrichtung wenig investiert. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

Die medizinische Versorgung scheint stabil zu sein.
Derzeit haben wir sowohl einen praktischen Arzt als auch einen Zahnarzt. Unser Hausarzt, Dr. Gsöllpointner, wird in den nächsten Jahren in Pension gehen, aber ich bin zuversichtlich, eine Nachfolge zu finden. Er betreut auch Wald am Schoberpaß sowie das Seniorenheim in Trieben. Sollte dieses geschlossen werden, würden wir einen Baugrund für einen Neubau zur Verfügung stellen. ◻ Interview: Hartwig Strobl

Gaishorn Panorama2

Die Marktgemeinde Gaishorn am See mit den Ortsteilen Au, Gaishorn,
Treglwang und Furth wird gerne als „Die Perle des Paltentals“ bezeichnet. (Foto: Günther Zelzer)

KURZinfo zum See

Historische Entstehung: Der See bildete sich ursprünglich infolge schwerer Hochwasserkatastrophen in den Jahren 1768 und 1769, als Geröllmassen das Paltental absperrten.
Trockenlegung: Im Jahr 1925 wurde der natürliche See (der damals etwa 70 ha groß war) abgelassen, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen.
Wiedererrichtung: In den 1980er-Jahren wurde der See im Zuge des Baus einer Hochwasser-Rückhalteanlage (1986) neu gestaltet und als Freizeit- und Badesee wiedereröffnet.