Zum Hauptinhalt springen
Foto: Marktgemeine Admont
| Menschen

Christian Haider: Der Bürgermeister von Admont im Interview


Die Marktgemeinde Admont ist mit 299 km2 Fläche die viertgrößte Gemeinde Österreichs und nach Mariazell die zweitgrößte der Steiermark. 4.890 Einwohner verteilen sich auf die Ortsteile Admont, Hall, Weng, Gstatterboden, Johnsbach, Krumau und Aigen. Seit 2020 bekleidet der Polizeibeamte Christian Haider das Amt des Bürgermeisters. Wir baten den Bürgermeister zum Interview.

Buergermeister Haider AdmontLBN: Herr Bürgermeister, sind Sie beruflich noch im Polizeidienst tätig oder Vollzeit-Bürgermeister?
Haider: Ich bin mit reduziertem Stundenausmaß schon noch bei der Polizei, aber das Amt des Bürgermeisters nimmt natürlich mehr Zeit in Anspruch.

Sie verfügen über die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Eine doch sehr angenehme Position?
Wir nutzen dies nicht aus, auch wenn es von der Opposition des Öfteren kritisiert wird. Aber es ist natürlich ein recht moderates Mittel, das man heranziehen kann, wenn’s nötig ist. Ein Großteil der Gemeinderatsbeschlüsse ist jedoch einstimmig.

Die Gemeinden kämpfen finanziell wie nie zuvor. Wie geht‘s Admont?
Die größten Herausforderungen sind die Personalkosten und die flächenmäßige Größe der Gemeinde. Wir haben gesamt 85 Mitarbeiter bei einem Gesamtbudget von ca. 14 Millionen Euro. Speziell bei Betreuungseinrichtungen müssen wir Vorgaben, den Personalschlüssel betreffend, einhalten, da hat man keinen Spielraum. Die Größe der Gemeinde fordert uns in der Infrastruktur wie Straßennetz, Kanal und Wasserversorgung. Entsprechend hoch sind die Kosten. Und natürlich die Kostensteigerungen im Sozialbereich, die waren enorm.

Der Bekanntheitsgrad von Admont ist eng mit dem Gesäuse und dem Stift Admont verbunden. Das Stift prägt die Gemeinde, wie ist das Verhältnis zum Stift Admont?
Jeder muss natürlich seinen Standpunkt vertreten und dass man nicht bei allen Dingen der gleichen Meinung sein kann, ist klar. Die Zusammenarbeit war in letzter Zeit eine gute; gerade in schwierigen Zeiten ist eine harmonische Stimmung mit allen Playern der Region wichtig, um auch künftige Projekte für einen Mehrwert in der Region umzusetzen.

Welche Projekte sollen das sein?
Es ist ein guter Weg eingeschlagen, was den Tourismus betrifft. Die vorhandenen Stärken können wir noch besser ausbauen. Die Marke Gesäuse wurde gut positioniert, aber es ist noch Potenzial drinnen. Wir wollen im sanften Tourismus bleiben, ohne groß in Infrastruktur investieren zu müssen. Eine Verbesserung im Angebot wäre wünschenswert.

Der renommierte Touristiker
Otmar Michaeler, CEO der Falkensteiner-Michaeler-Group, hat kürzlich in einem Interview in der Kleinen Zeitung gemeint, es wird Regionen geben, denen die Kraft fehlt, im Tourismus weiter mitzuspielen. Zitat: „Vor 30 Jahren haben die, die keine Infrastruktur hatten, gesagt, sie machen sanften Tourismus. Aber das war nicht das Erfolgsrezept. Eine intakte Natur ist unser Kapital, das wissen wir alle. Und würden wir sie zerstören, wäre der Tourismus tot. Aber ohne Infrastruktur geht es eben auch nicht.“
Für unsere Region ist der sanfte Tourismus passend. Die Gäste erwarten sich keine großartige Infrastruktur und keine große Anzahl an 4-Sternehotels. Wennst im Xeis was erleben willst, musst du es dir mit Körperkraft erkämpfen, erschwitzen. Bei uns gibt’s keinen Sessellift, bei uns musst du zu Fuß raufgehen. Das ist das Schöne und das suchen die Leute. Wir sind ja auch gastronomisch noch ganz gut unterwegs, alleine Johnsbach hat noch drei Wirtshäuser.

Man geht somit konform mit den Werten des Nationalparks Gesäuse, dessen Schwerpunkt ja nicht der klassische Tourismus, sondern der Naturschutz ist?
Man wird nicht in allen Dingen immer übereinstimmen, aber wir sind stolz, dass wir einen Nationalpark haben und tragen die Werte mit. Wenn aber mal, und dafür sind wir auch bekannt, eine Motorsportveranstaltung stattfindet, dann sollte man dies auch gutheißen.

Wie steht es um die Zukunft von Schloss Röthelstein?
Mein Letztstand ist, dass die JUFA einen Investor gefunden hat und der Betrieb im April, Mai wieder öffnen soll.

Für das JUFA ist natürlich der Skibetrieb auf der Kaiserau von hoher Bedeutung. Wie steht’s um die Zukunft der Kaiserau? Ohne Zuschüsse würde es ja eher düster aussehen, wie bei manchen kleinen Skigebieten.
Für uns hat die Kaiserau eine wichtige, auch soziale Funktion. Wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen im Umkreis Skifahren lernen können. Es kommen auch Gäste außerhalb unserer Region auf die Kaiserau. Aber Fakt ist, dass wir mittlerweile die einzige Gemeinde sind, die finanziell Zuschüsse leistet, derzeit ca. 60.000 Euro pro Jahr. Wünschenswert wäre es, dass sich auch wieder die umliegenden Gemeinden am Erhalt beteiligen. Der Wintersport ist wichtig für unsere Region.

Man betreibt ja auch noch ein Hallenbad, der nächste Kostentreiber?
Ein Hallenbad ist ein großer Kostenfaktor, das ist natürlich klar, aber wir leisten uns das noch, solange wir es halt können. Es wird von allen Schulen genutzt, auch vom Stiftsgymnasium und es ist wichtig für den Unterricht im Winter. Natürlich steht es auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die Verkehrsbelastung in Admont ist relativ hoch. Gibt es Bestrebungen, dies in den Griff zu bekommen?
Die Diskussion zwecks Beschränkung des Schwerverkehrs auf der B117 über die Buchau gibt es seit Jahren. Sollte das kommen, muss es natürlich auch auf der B146 durch das Gesäuse gelten. Innerorts hat es vor zig Jahren eine Idee zur Umfahrungslösung gegeben, man muss es sich vielleicht wirklich nochmals ansehen.

Die ärztliche Versorgung in Admont war nach einigen Pensionierungen eine schwierige, wie sieht es gegenwärtig aus?
Die gute Nachricht ist, dass wir eine fixe Nachfolge für unsere Zahnärztin Dr. Setaffy haben, die demnächst in den Ruhestand tritt. Das freut mich sehr, da ja viele andere Gemeinden auf Zahnarztsuche sind! Das PVE Diakonissen im Areal des Stiftes ist mit Vertretungs- und Aushilfsärzten neben dem Stammpersonal angelaufen, aber der Wunsch ist da, das Stammpersonal auszubauen. Es braucht seine Zeit, um zu wachsen, es ist jedoch eine Herausforderung.

Welche größeren Projekte stehen an?
Die größeren Bauvorhaben in naher Zukunft betreffen die Wasserversorgung und den Lückenschluss auf der Straße nach Selzthal. Seit 2020 haben wir die Quellfassungen in Weng und Johnsbach neu gemacht, im Ortsteil Weng werden um die 1,5 Millionen Euro in die Sanierung der Wasserversorgung investiert; mit neuem, größeren Hochbehälter, UV-Anlage und Leitungsstrang. In Johnsbach kommt auch ein neuer Hochbehälter. Wir sind somit krisensicherer.
Die Straße nach Selzthal wird künftig durchgehend asphaltiert sein. Der ca. 1,5 Kilometer lange Schotterabschnitt hat uns jährlich um die 20.000 Euro an Gräderarbeiten gekostet, das war wenig gut investiertes Geld.

Abschließend, was zeichnet Admont als Gemeinde aus?
Wir sind eine Wohngemeinde mitten im Gesäuse mit dem Vorteil, doch einige Betriebe im direkten und näheren Umfeld zu haben, die erreichbare Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Unser schulisches Angebot mit Grundschule, Mittelschule, Gymnasium und Grabnerhof empfinde ich als sehr gut, auch jenes im Kinderbetreuungsbereich. Hier bieten wir auch in den Sommerferien eine Ferienbetreuung. Darauf sind wir schon ein wenig stolz. ◻

Interview: Hartwig Strobl
Fotos: Marktgemeinde Admont