Hannes Uttinger: Der Bürgermeister von Ramsau am Dachstein im Interview
Seit gut einem Jahr ist Hannes Uttinger Bürgermeister der Gemeinde Ramsau am Dachstein. Nachdem Listenbürgermeister Fischbacher bei der letzten Wahl nicht mehr antrat, holte die ÖVP die Mehrheit und stellt mit Uttinger den Bürgermeister. Wir baten den 51-jährigen Prozesstechniker im Anlagenbau eines weltweit tätigen Unternehmens, der auch Obmann des Bergrettungsdienstes ist, zum Interview.
LBN: Wie arrangiert man einen Job im Management mit der Tätigkeit eines Bürgermeisters?
Uttinger: Ich war weltweit unterwegs und bin jetzt großteils im Homeoffice tätig, dies reduziert auf 30 Stunden. So lässt es sich halbwegs vereinbaren.
Seit einem Jahr Bürgermeister, schon eingelebt?
Wir haben parteiintern eigentlich nicht gerechnet, dass es der Ernst (Anm. Fischbacher) lässt. Nach seinem Rücktritt haben wir natürlich gehofft, die Wahl zu gewinnen und so ist es dann auch gekommen. Spitzenkandidat war Herbert Walcher, aber er hat einen großen Betrieb und 4 kleine Kinder daheim, daher haben wir die Positionen getauscht. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, man kennt sich ja untereinander und geht freundschaftlich miteinander um. Parteien im Hintergrund machen schon Sinn, das hat man in der Vergangenheit vielleicht zu wenig beachtet.
Die Schuldscheindebatte war lange Thema in der Gemeinde und hat auch zu politischen Verschiebungen geführt. Wer kommt nun für die Verbindlichkeiten für die Schuldscheine aus 2002 und 2003 auf?
Die Summe wird langfristig bis 2051 seitens der Gemeinde per Darlehen bedient und ist im Budget berücksichtigt. Man muss schon auch erwähnen, dass damals damit Infrastruktur bezahlt wurde. Für mich ist die Diskussion beendet und somit auch freie Fahrt, was die Bedarfszuweisungen betrifft. Eine Diskussion darüber ist ja auch im Raum gestanden.
Wie steht es um die Lawinenverbauung, das Projekt zieht sich seit Jahren?
Das Ganze liegt jetzt bei Land und Bund. Durch die Verzögerung – das Projekt wurde 2019 gestartet – haben sich die Kosten massiv erhöht. Die „Wildbach“ hat das Projekt evaluiert und dem Land vorgelegt. Selbst wenn die Finanzierung steht, ist die Umsetzung komplex. Man müsste für den Damm zuerst den Weg dorthin herrichten, ein Jahr drauf würde man mit Material vor Ort den Damm aufschütten. Wir brauchen jedenfalls eine Lösung, wie man den Ort schützen kann, ich sehe das auch von der Bergrettungsseite aus. Technisch tut sich auch viel, etwa mit den Drohnen; Dinge, die man vor 6 Jahren noch nicht am Schirm hatte. Sprengungen sind ein schwieriges Thema, vor allem mit einem Siedlungsraum im Hintergrund. Der Lawinenschutz wird uns noch länger beschäftigen.
Themenwechsel zum Sport. Die Sprunganlagen sind veraltet, müssten modernisiert werden. Wie ist der Stand der Dinge?
Es ist von Bedeutung wie es mit der nordischen Kombination weitergeht, ob dies olympisch bleibt oder nicht. Das soll sich im Sommer entscheiden. Der Gemeinderat steht zu weiteren Großveranstaltungen, eine nordische WM käme erst 2037 in Frage, da sich St. Anton für die Ski WM 2033 bzw. 2035 bewerben möchte. Nichtsdestotrotz werden Sanierungsmaßnahmen angestrebt, da wir auch den Weltcup weiter veranstalten möchten. Ein Schanzenanlage ist grundsätzlich kein Geschäft im herkömmlichen Stil, das ist ein Hallenbad auch nicht. Aber der Werbewert durch den Weltcup ist ein wichtiger Faktor, grad am Saisonanfang. Bei den Langlaufloipen ist man sowieso immer beim Investieren und Erweitern. Da möchten wir einfach mit Seefeld weiterhin im Spitzenfeld agieren.
Eine Loipe im großen Stil zu beschneien erfordert andere Maßnahmen als etwa eine Skipiste?
Der heurige Winter hat gezeigt, wie schnell es geht, dass man keinen Schnee kriegt. Wir erweitern die Schneeanlage Richtung Westen, der Zusammenschluss vom Vorberg bis zum Rittisberg ist geplant. Wir mussten heuer Schnee aus dem Depot einbringen, ein hoher Aufwand, aber die Gäste hatten dies mit hoher Zufriedenheit goutiert. Wir denken über die nötigen Einrichtungen wie Wasserbevorratung und technische Infrastruktur nach. Finanziell ist dies natürlich auch eine Belastung. Die Ramsauer Verkehrsbetriebe betreiben das Loipennetz und da haben wir Gott sei Dank Top-Mitarbeiter, aber die Zukunft verlangt die Anstrengung aller Akteure.
Mit ca. 750.000 Nächtigungen im Jahr 2025 ist Ramsau nach Schladming/Rohrmoos die zweitstärkste Tourismusgemeinde der Steiermark. Welche touristische Strategie hat man für die Zukunft?
Schladming liegt nur aufgrund der Fusion mit Rohrmoos und Pichl vor uns. Der Sommertourismus gewinnt an Bedeutung, geht von April bis Ende Oktober. Der Tourismus ist unsere Lebensader und bringt Wohlstand. Ich sehe aber auch, dass wir damit unsere landwirtschaftlichen Betriebe erhalten, die für die Bewirtschaftung der Almen und der Landschaft sorgen. Drum ist es ja so schön, ohne Landwirte würde alles zuwachsen und dann kommt auch keiner mehr. Wir schauen auf unsere Natur und Tradition, von Massentourismus sind wir weit weg, auch wenn mal bei neuralgischen Punkten viele Leute zusammenkommen. Unser Hauptaugenmerk ist das Wandern, nicht zu vergessen das Klettern, die Kletterstege, Radfahren – das sind unsere Schwerpunkte. Wenn ich beispielsweise die Betreiber des Rittisberg betrachte, so tun sich diese wirklich viel an, um den Familien tolle Erlebnisse zu bieten. Mit dem Begriff sanfter Tourismus fang ich persönlich allerdings nichts an.
Die Kooperation mit der TVB Schladming-Dachstein funktioniert gut.
Wie überall in starken Tourismusgebieten ist auch die Ramsau mit der Zweitwohnsitzproblematik und Investorenmodellen konfrontiert. Wie geht man damit um?
Das Land plant die Abschaffung der Leerstandsabgabe, das hilft einer Region wie unserer auch nicht unbedingt. Das Geld fehlt. Das sogenannte Betongold wollen wir nicht, das will keiner! Wir sind eine Vorbehaltsgemeinde, haben zwei ausgewiesene Flächen mit der Widmung auch für Zweitwohnsitze. Wenn sich aber jemand hier mit Hauptwohnsitz meldet, diesen aber nicht nutzt, da sehe ich das Problem. Das treibt die Immobilienpreise nach oben, unsere Kinder können sich die Preise nicht mehr leisten, wandern ab und fehlen im Ort. Das sehe ich ganz kritisch und es wird Auswirkungen auf das ganze Gemeinde- und Vereinsleben haben. Es fehlt uns die Handhabe, da muss sich die Politik was überlegen. Es gibt halt sehr viele, die das Geld haben und für Immobilien das Doppelte vom tatsächlichen Wert zahlen, weil’s bei uns halt so schön ist. Es ist eine ganz schlechte Entwicklung und ich hoffe, dass wir bald bessere rechtliche Möglichkeiten bekommen, dieser Entwicklung gegenzusteuern. ◻