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Fotos: Christian Fuernholzer, Gemeinde Altenmarkt b. St. Gallen
| Menschen

Hannes Andrä – Der Bürgermeister von Altenmarkt bei St. Gallen im Interview


Wo ländliche Lebensqualität auf industrielle Wirtschaftskraft trifft, liegt Altenmarkt bei St. Gallen. Die rund 800 Einwohner zählende Gemeinde ist Teil der Nationalparkregion Gesäuse und zugleich Heimat eines bedeutenden internationalen Industriebetriebs. Mit Nemak verfügt der Ort über einen Arbeitgeber, der rund 650 Menschen beschäftigt und für die wirtschaftliche Stabilität der Gemeinde von zentraler Bedeutung ist.

Seit 2019 steht Hannes Andrä an der Spitze Altenmarkts. Der 58-Jährige kennt beide Seiten des Ortes: Als hauptberuflicher Nemak-Mitarbeiter ist er mit den Herausforderungen des Industriestandorts vertraut, als Bürgermeister trägt er Verantwortung für die Entwicklung der Gemeinde.

BGM Hannes Andrae fuernholzer 211021 67 159275643222068835896LBN: Das Bürgermeisteramt in einer kleinen Gemeinde wie Altenmarkt ist kein Fulltimejob. Wie viele Stunden widmen Sie durchschnittlich dieser Aufgabe?
Hannes Andrä: Ich bin hauptberuflich bei Nemak beschäftigt. Grundsätzlich sind die Aufgaben eines Bürgermeisters in einer kleinen Gemeinde aber dieselben wie in größeren Kommunen. Der Unterschied ist, dass wir keine eigenen Abteilungen haben, die uns die Arbeit abnehmen. Der zeitliche Aufwand ist naturgemäß geringer, ich würde sagen, im Schnitt sind es etwa drei Stunden pro Tag, die ich dem Bürgermeisteramt widme.

2016 wurden die Nachbargemeinden Palfau, Gams, Landl und Hieflau zur Großgemeinde Landl zusammengelegt. Altenmarkt und St. Gallen blieben eigenständig, obwohl eine Fusion naheliegend gewesen wäre. Ist das Leben als Kleingemeinde entspannter?
Warum es damals zu keiner Fusion gekommen ist, kann ich nicht sagen. Ich bin jedenfalls ein Freund kleinerer Strukturen. Es bleibt alles übersichtlicher, und durch die schlanken Strukturen können wir schneller handeln. Die Vorteile größerer Gemeinden sehe ich für uns nicht unbedingt. Wir bieten unseren Bewohnern eine sehr gute Infrastruktur: einen Kindergarten, eine Volksschule mit 36 Kindern, einen Nahversorger, ein Schwimmbad, einen Eislaufplatz und medizinische Versorgung. Die Lebensqualität passt bei uns.
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist allerdings die künftige notärztliche Versorgung. Mit 1. April 2027 wird der Notarztstützpunkt in Waidhofen geschlossen, der für uns bisher von großer Bedeutung war. Danach hängen wir völlig in der Luft. Eine Versorgung von Rottenmann aus ist aus meiner Sicht unrealistisch – die Entfernung und die Fahrzeit sind einfach zu groß. Hier brauchen wir dringend eine Lösung.

Die Trockenheit in diesem Jahr und die damit verbundene Wasserknappheit bereiten vielen Gemeinden Kopfzerbrechen. Wie sieht die Situation in Altenmarkt aus?
Wir haben überhaupt nichts gespürt. Altenmarkt verfügt über gemeindeeigene Quellen im Ortsteil Essling, die eine gute Schüttung aufweisen. Zusätzlich haben wir einen Tiefbrunnen in der Nähe der Enns. Unsere Wasserversorgung ist daher gut aufgestellt.

Mit Nemak befindet sich ein großer Leitbetrieb im Ort – quasi die wirtschaftliche Lebensader Altenmarkts.
Das ist richtig. Wir haben aber auch kleinere Betriebe wie die Firma Dandler oder den Gasthof Post, die für eine funktionierende Ortsstruktur von großer Bedeutung sind. Natürlich ist Nemak mit rund 650 Mitarbeitern die wirtschaftlich tragende Säule unserer Gemeinde.

Der Betrieb wurde vom Schweizer Unternehmen Georg Fischer AG vor Kurzem an den mexikanischen Konzern Nemak verkauft. Das zweite Werk in Herzogenburg soll 2027 geschlossen werden. Bereitet Ihnen das mit Blick auf die Zukunft des Standorts Altenmarkt Sorgen? Die Automobilzulieferindustrie steht schließlich vor großen Herausforderungen.
Wir haben ein sehr gutes Gefühl, auch was die Auftragslage betrifft. In den kommenden Monaten wird beispielsweise sehr viel in die Arbeitssicherheit investiert – das ist einer der Schwerpunkte. Allerdings sind wir in Altenmarkt räumlich eingeschränkt. Eine Expansion am bestehenden Standort ist nicht umsetzbar. Deshalb hat Nemak bereits 2022 die Gebäude und Produktionshallen der damaligen Firma Greiner Assistec in St. Gallen übernommen. Der Standort in Herzogenburg war bereits in den vergangenen Jahren etwas problematisch.

Altenmarkt liegt mit mehr als 2.700 Euro pro Einwohner bei der Steuerkraft-Kopfquote unter den fünf steirischen Spitzenreitern. Eine angenehme Situation für einen Bürgermeister?
Es ist natürlich beruhigend, eine solche Steuerkraft zu haben. Man darf aber nicht vergessen, dass wir dadurch auch weniger öffentliche Mittel erhalten. Die Investitionen der vergangenen Jahre – etwa in die Schule oder die Musikschule – waren beträchtlich. Parallel dazu haben wir auch eine Schuldenlast zu tragen. Wesentlich ist für mich, dass Altenmarkt seit über 40 Jahren keine Abgangsgemeinde ist. Das zeigt, dass wir wirtschaftlich solide arbeiten.

Altenmarkt ist Nationalparkgemeinde, gehört aber nicht zum Tourismusverband Gesäuse. Warum?
Wir sind eine sogenannte D-Gemeinde, weil wir die touristischen Kennzahlen – etwa bei den Nächtigungen – nicht erreichen. In den Jahren 2022 und 2023 waren wir bereits Mitglied, sind dann aber wieder ausgestiegen.
Ich hatte damals ein Schreiben vom Land erhalten, wonach wir quasi darum bitten sollten, als Tourismusgemeinde hochgestuft zu werden, um Teil des Verbandes sein zu können. Wir gehen aber nicht auf die Knie, um aufgenommen zu werden. Derzeit sehen wir für unsere Gemeinde keinen ausreichenden Nutzen.
Ein weiteres Thema ist der R7-Radweg. Dessen Umsetzung wird seit Jahrzehnten erfolgreich verhindert. Wir haben keinen Radweg, und die Radfahrer sind bei uns auf der Landstraße unterwegs. Niemand fühlt sich wirklich verantwortlich, das Thema wird hin- und hergeschoben, anstatt eine vernünftige Radwegstruktur in Angriff zu nehmen. Das wäre mir wirklich ein großes Anliegen.

Von Schladming bis Altenmarkt sind es rund 100 Kilometer, die Fahrzeit beträgt etwa eineinhalb Stunden. Nach Linz ist die Entfernung ähnlich. Fühlen sich die Altenmarkter eher Oberösterreich oder dem Bezirk Liezen zugehörig?
Ganz klar dem Bezirk Liezen. Nach Weyer sind es zwar nur 15 Minuten, aber zum Einkaufen oder ins Kino fahren wir in der Regel nach Liezen. Die Nahversorgung findet im Ort selbst oder in St. Gallen statt. Insgesamt orientieren wir uns aber eindeutig Richtung Ennstal. Das ist für uns attraktiver. ◻

Altenmarkt vom SchweigerbergDie Marktgemeinde Altenmarkt bei St. Gallen.

Fotos: Christian Fuernholzer (Portraits), Gemeinde Altenmarkt