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Portrait: Karl Steinegger; Ortsfoto: Karl Grieshofer
| Aus der Region

Thomas Schönauer: Der Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Aussee im Interview


Seit April 2025 steht Thomas Schönauer an der Spitze der Stadtgemeinde Bad Aussee. Er folgte auf Franz Frosch, der zwölf Jahre lang die Geschicke der Kurstadt gelenkt hatte und bei der Gemeinderatswahl nicht mehr als Spitzenkandidat antrat. Seither führt Schönauer die Gemeinde in einer Koalition aus SPÖ und Grünen. Wir trafen den Bürgermeister zum Gespräch im Rathaus.

 Thomas Schönauer, Bürgermeister von Bad Aussee (Foto: Karl Steinegger)LBN: Herr Bürgermeister, seit gut eineinhalb Jahren sind Sie im Amt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Hat die Realität Ihren Erwartungen entsprochen?
Thomas Schönauer: Am Anfang war ich schon überrascht, was tatsächlich alles auf einen zukommt. Es ist unglaublich, für wie viele Bereiche man als Bürgermeister verantwortlich ist. Dazu kommt, dass man sich erst daran gewöhnen muss, ständig in der Öffentlichkeit zu stehen und gewissermaßen immer in der ersten Reihe zu sein. Gerade zu Beginn waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde eine große Unterstützung, um mich in das Amt einzuarbeiten. Die ersten beiden Monate waren besonders herausfordernd, weil die Diskussion um den Krankenhausstandort voll im Gange war. Mittlerweile bin ich sattelfest und fühle mich in meiner Position sehr wohl.

Bad Aussee zählt ca. 5.000 Einwohner mit Hauptwohnsitz, dazu kommen rund 2.600 Nebenwohnsitze. In vielen Tourismusgemeinden sorgt dieses Verhältnis für Diskussionen. Wie stellt sich die Situation in Bad Aussee dar?
Ich sehe das nicht so dramatisch wie in anderen Gemeinden. Natürlich ist das Thema spürbar, aber wir haben die Situation im Griff. In Altaussee oder in der Region rund um Schladming hat die Problematik ein deutlich größeres Gewicht.

Welche Themen und Projekte haben Ihre bisherige Amtszeit besonders geprägt?
Wir mussten den Sparstift ansetzen. Das ist uns bisher gut gelungen, ohne dass wir bei der Qualität unserer Dienstleistungen Abstriche machen oder Mitarbeiter freistellen mussten. Darauf können wir durchaus stolz sein. Auch auf unser Gärtnerteam, das den Blumenschmuck in Bad Aussee pflegt und auch heuer wieder die Höchstwertung von fünf Floras erreicht hat, bin ich stolz.
Auch bei der Infrastruktur geht es kontinuierlich voran. Unser Gemeindestraßennetz umfasst 83 Kilometer, und wir sind auf einem guten Weg, die Straßen Schritt für Schritt umfassend zu erneuern. Positiv ist außerdem die Wasserversorgung: Trotz der Trockenheit hatten wir heuer keinerlei Probleme. Unser Tiefbrunnen musste lediglich dreimal automatisch zugeschaltet werden.

Der Streit um die Nutzung des Kammerhofparkplatzes zieht sich seit Jahren hin. Von außen betrachtet entsteht der Eindruck einer unendlichen Geschichte. Wie ist der aktuelle Stand?
Die Sache mit der Feuerwehr Reitern ist aus meiner Sicht eine absolute Frechheit. Da werden Menschen, die ehrenamtlich rund um die Uhr bereitstehen, um anderen das Leben zu retten, für etwas verantwortlich gemacht, wofür sie nichts können. Ich habe den Eindruck, dass hier versucht wird, möglichst viel Geld herauszuholen.
Am 16. Dezember findet die nächste Verhandlung statt. Die Situation ist für alle Beteiligten sehr belastend. Mich persönlich beschäftigt sie praktisch täglich. Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Tag für eine positive Lösung kommen wird. Wann das sein wird, kann ich allerdings nicht sagen. (Anm.: Hintergrund: Der Streit um den Kammerhofparkplatz – siehe Infokasten am Ende der Seite)

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit stand auch die Zukunft des Krankenhauses Bad Aussee im Mittelpunkt. Wie zufrieden sind Sie mit der jetzigen Lösung und der Kooperation mit dem Klinikum Bad Ischl?
Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Aber was soll ich dagegen tun? Man ist über uns drübergefahren, obwohl unser Krankenhaus deutlich moderner war als beispielsweise jenes in Rottenmann. Nach Bad Ischl sind wir schon früher gefahren, etwa wegen der Geburtenstation. Das sind die Menschen also gewohnt.
Für das Krankenhaus in Bad Ischl bedeutet die Zusammenarbeit eine spürbare Mehrbelastung. Für uns ist es aber immer noch die vernünftigere Lösung, als nach Rottenmann fahren zu müssen. Zufrieden kann man mit der Situation trotzdem nicht sein. Im ehemaligen Krankenhaus gibt es mittlerweile eine Akutgeriatrie, und das soll offenbar auch so bleiben. Außerdem ist eine Erstversorgungsambulanz vorhanden. Bei schwereren Verletzungen hilft das allerdings nur bedingt.

Ist das Krankenhauskapitel für Sie damit abgeschlossen?
Das ist schwierig zu beantworten. Vernünftiger wäre es meiner Meinung nach, wenn man in Graz die Entscheidung noch einmal überdenken würde. Auch die Situation in Schladming ist nicht zufriedenstellend. Allein die Verkehrsverbindung von Schladming nach Schwarzach, mit dem eine Kooperation vereinbart wurde, ist gerade während der Urlaubssaison problematisch. Das muss man bei solchen Entscheidungen ebenfalls berücksichtigen.

Beim Narzissenbad sind Erweiterungen geplant. Wie konkret sind die Pläne? Und kennen Sie Alexander Petrow, den Begünstigten des zypriotischen Trusts, dem die Liegenschaft gehört?
Wir stehen mit der Geschäftsführung in Kontakt, nicht aber direkt mit den Eigentümern. Die Geschäftsführung halte ich für sehr kompetent. Geplant sind zwei weitere Gebäudeblöcke, die bereits im Bebauungsplan vorgesehen waren. Außerdem soll ein Naturteich entstehen.
Wann die Erweiterung tatsächlich umgesetzt wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Bislang wurde noch nichts eingereicht. Wichtig ist mir auch eine Klarstellung: Es soll sich um einen reinen Hotelbetrieb handeln und nicht um ein sogenanntes „Buy-to-let“-Modell, bei dem einzelne Einheiten gekauft und anschließend touristisch vermietet werden. Entsprechende Behauptungen wurden als Gerücht verbreitet.

Wie beurteilen Sie die touristische Entwicklung des Ausseerlandes insgesamt?
Sehr positiv. Der Ausbau am Loser war ein Gewinn für die gesamte Region. Auch der heurige Sommer ist mit den neuen Mountainkarts hervorragend gelaufen. Ich betrachte die touristische Wertschöpfung nicht isoliert für Bad Aussee, sondern für das gesamte Ausseerland. Und da tut sich viel: Die Region erlebt einen Aufschwung, das kulturelle Angebot ist ausgezeichnet. Veranstaltungen wie das Narzissenfest oder die von den Geschäftsleuten initiierten Sommernächte tragen wesentlich zur Attraktivität bei.

Foto: Martin Frosch

Mit der Kulturdrehscheibe Ausseerland ist eine neue Einrichtung hinzugekommen. Welche Aufgaben übernimmt sie?
Die Kulturdrehscheibe Ausseerland ist eine neue regionale Kultureinrichtung mit Sitz in Bad Aussee. Finanziert wird das Projekt u. a. aus Mitteln, die nach dem Kulturhauptstadtjahr 2024 übriggeblieben sind. Im Mittelpunkt stehen die Vernetzung der regionalen Kulturschaffenden, die Suche nach Fördermöglichkeiten sowie die Unterstützung von Vereinen und Künstlern bei Projekten und Veranstaltungen. Dazu kommen Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Mittlerweile konnten zwei Mitarbeiter gefunden werden, das Büro befindet sich in Bad Aussee.

Das Stadtmarketing ist in Bad Aussee als privater Verein der Kaufleute organisiert und nicht als Abteilung der Gemeinde. Ist dieses Modell noch zeitgemäß?
Auf jeden Fall. Es funktioniert hervorragend. Der Verein organisiert unter anderem den Advent, Straßenfeste und die Sommernächte. Im Komitee sitzen auch zwei Vertreter der Gemeinde. Wir unterstützen die Aktivitäten natürlich, beispielsweise durch Leistungen des Bauhofs – etwa beim Anbringen der Weihnachtsbeleuchtung. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt.

Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Welche Projekte und Ziele haben für Sie als Bürgermeister Priorität?
An erster Stelle steht für mich, dass der Streit um den Kammerhofparkplatz ein gutes Ende nimmt. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist das Projekt Ausseerhof am Ischlerparkplatz. Geplant sind eine Tiefgarage, Wohnungen sowie kleine, feine Geschäfte. Es handelt sich um ein Nachfolgeprojekt der seinerzeit umstrittenen Traungalerien. Das neue Vorhaben ist deutlich kleiner dimensioniert und soll von der Pletzer Gruppe umgesetzt werden.
Darüber hinaus geht es darum, die Gemeindefinanzen weiter zu konsolidieren. Große Investitionen stehen derzeit nicht im Vordergrund. Wir müssen verantwortungsvoll wirtschaften und gleichzeitig dafür sorgen, dass Bad Aussee seine Lebensqualität und Attraktivität bewahrt. 

 

Der Streit um den Kammerhofparkplatz

Auf dem heutigen Areal des Kammerhofparkplatzes stand einst ein Vitalbad, das 2014 abgerissen wurde. An der damaligen Anlage war die Gemeinde Bad Aussee mehrheitlich beteiligt. Die Kurmittelbetriebs GmbH verkaufte das Grundstück an die MB BA GmbH. Vereinbart wurde, dass bis 2015 ein Hotel errichtet werden sollte. Sollte dies nicht geschehen, war der Gemeinde beziehungsweise dem Rechtsnachfolger ein Rückkauf zu einem festgelegten Preis eingeräumt.
Das Hotel wurde nie gebaut. Als die MB BA GmbH der Narzissen Bad Aussee Betriebs GmbH, dem Nachfolgebetrieb der Kurmittelbetriebs GmbH, das Areal zum Rückkauf anbot, lag der geforderte Preis allerdings über dem ursprünglich vereinbarten Betrag. In der Folge blieb umstritten, wer den Parkplatz nutzen beziehungsweise bewirtschaften durfte.
Beim Blasmusikkongress im Frühjahr 2019 wies die Gemeinde Musiker auf dem Areal ein. Die MB BA GmbH brachte daraufhin mehr als 500 Besitzstörungsklagen beim Bezirksgericht Liezen ein. Auch vom Blasmusikverband wurden rund 23.000 Euro gefordert. Die Besitzstörungsklagen wurden mittlerweile abgewiesen.
In weiterer Folge wurde die damals an der Einweisung beteiligte Feuerwehr Reitern auf Schadenersatz geklagt. Dieses Verfahren ist noch anhängig. Die Streitsumme beläuft sich inzwischen auf mehr als 200.000 Euro.